Sonja Wenzel

Ein großartiges Angebot, Menschen mit Beeinträchtigungen mehr Mobilität zu ermöglichen, ist das „Parallel-Tandem“: Seit Ende Mai steht dieses „E-Quad“ in der Radstation, einer Einrichtung des Diakonischen Werks Husum (DW) am Bahnhof, sowohl Touristen als auch Einheimischen zur Verfügung, um die Schönheit der nordfriesischen Landschaft zu erkunden. „Es handelt sich dabei um eine Sonderanfertigung von ‚Fahrrad Beck‘ in Jörl. Die Nospa in Husum hat uns einen Zuschuss für die Anschaffung gewährt. Dafür danken wir an dieser Stelle“, erklärt Guido Kerbsties, Fachaneiter der Radstation. Die Idee ist so originell wie genial: „Ein herkömmliches Tandem kann in manchen Fällen ziemlich ‚wackelig‘ sein“, sagt er. Und das könnte den Genuss eines Ausflugs beträchtlich schmälern. Deshalb wurden für das Parallel-Tandem die Sitze nicht hintereinander, sondern nebeneinander angeordnet. Das Gefährt ist verkehrstauglich und vermittelt ein sicheres Gefühl. Fahrer- sowie Beifahrerseite  verfügen über jeweils einen leistungsstarken Akku. Funktionen wie Lenken und Bremsen übernimmt die fahrzeugführende Person; am Beifahrersitz besteht die Möglichkeit, über mehrere zuschaltbare Gänge ebenfalls „in die Pedale zu treten“ – je nach individueller Kapazität. Der Clou ist, dass an das Fahrzeug ein Anhänger mit zwei weiteren Plätzen angekoppelt werden kann: Insgesamt also ist das Parallel-Tandem für vier Personen ausgelegt – und alle können „per Muskelkraft zutreten“: So sieht unverfälschter „Radelspaß“ für eine kleine Gruppe aus. Das Fahrzeug ist online buchbar unter https://www.mietrad.de/husum/radstation-husum/. Die Leihgebühr beträgt pro Tag 75 Euro.

Der Wert des Radfahrens – sowohl für die Gesundheit als auch für die Umwelt – dürfte längst präsent sein. Ausfahrten „per Rad“ erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, doch nicht immer können alle mithalten: Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, mit Down-Syndrom, Knochen- oder Muskelerkrankungen oder nach Unfällen sind von diesem Vergnügen, das ein Stück wichtige Lebensqualität bieten kann, unter Umständen ausgeschlossen. „Es geht um noch mehr Teilhabe am Dasein“, bringt es Guido Kerbsties auf den Punkt. Freilich ist dieses Gefährt um einiges breiter als ein normales Fahrrad, beansprucht demgemäß mehr Platz auf dem Fahrradweg und ist somit ideal geeignet für Ausflüge auf ausgesuchten Wegen; darüber hinaus aber ist manchmal nur ein wenig Empathie und ein „Perspektivwechsel“ notwendig, um das Paralleltandem auf dem Radweg als ganz normalen Verkehrsteilnehmer zu akzeptieren.

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