Sonja Wenzel

Die Tafel ruft ihre Gäste zusammen: Seit vielen Jahren gehört die „Lange Tafel“, eine beliebte Veranstaltung des Diakonischen Werks Husum (DW), in den innerstädtischen Sommer: Bürgerinnen und Bürger kommen an langen Tischen bei einem Teller nahrhafter Suppe  unkompliziert miteinander ins Gespräch, neue Kontakte werden geknüpft und bestehende Verbindungen aufpoliert.

Es braucht aber durchaus keinen „Teller Suppe“, um vom Team der Tafel zu erfahren, dass Menschen, die für sich ein Ehrenamt suchen, stets herzlich willkommen sind und nötig gebraucht werden. Sabine Friedrichsen ist Ehrenamtlerin bei der Husumer Tafel seit zwölf Jahren. Ihre Aufgabe ist es Lebensmittel auszugeben. „Es ist erfüllend zu sehen, dass man im Team etwas bewegen kann. Durch meine Erfahrungen weiß ich, dass das Ehrenamt unerlässlich ist.“ Siegfried Birkelbach ist seit neun Jahren dabei. „Wir arbeiten in einem gut funktionierenden, netten Team Hand in Hand, es gibt keinen Konkurrenzkampf“, betonte er. Seine Aufgabe ist das Abholen der Waren von verschiedenen Stellen. „Wir wären dankbar, wenn sich weitere Personen als Helferinnen und Helfer für Sortierung und Ausgabe der Waren bei der Husumer Tafel entscheiden könnten“, sagte Geschäftsbereichsleiterin Adelheit Marcinczyk. Charly Häuber, Chef der Husumer und der mobilen Tafel, wartete mit eindrücklichen Zahlen auf: „Insgesamt versorgen die Tafeln in Husum, Eiderstedt und Bredstedt sowie die mobile Tafel etwa 800 bis 850 Haushalte mit – statistisch gesehen – 2,2 bis 2,4 Personen pro Haushalt. Allein in Husum sind rund 300 Haushalte auf die wöchentliche Grundversorgung mit Lebensmitteln angewiesen. Und diese Arbeit – abholen, sortieren, sichten und ausgeben – stemmen rund 100 Ehrenamtliche, die stets dafür sorgen, dass niemand leer ausgeht.“ Den Tafel-Mitarbeitenden war der Beifall sicher. Bürgermeister Martin Kindl sprach dem gesamten Team des DWs seinen Dank für „Engagement und Herzblut“ aus, insbesondere aber der gesamten Tafel-Crew.

Für DW-Geschäftsführer Jens Grehm ist die alljährliche lange Tafel „mehr als nur zusammengestellte Tische und Bänke“: Sie sei vielmehr ein Platz für Begegnungen, ein Symbol für Willkommen und Dazugehörigkeit – wobei das Volumen der Geldbörse, die Generation oder die Religion völlig nebensächlich seien. „Gemeinschaft entsteht immer da, wo Menschen neu Hinzugekommenen Platz machen“, brachte er den Zweck der langen Tafel auf den Punkt. Ähnlich formulierte es Pastor Friedemann Magaard und stellte das Mitgefühl, eine christliche Grundhaltung, in den Mittelpunkt seiner Andacht: „Es ist keine Schwäche, sondern im Gegenteil die größte Gefahr für autoritäre Herrscher sowie für jene, die Hass schüren und die Freiheit der Menschen zerstören wollen. Daher ist das Mitgefühl die größte Kraft für Zusammenhalt, Menschlichkeit und Nächstenliebe. Gerechtigkeit und Freiheit sollten immer die Oberhand behalten.“ Er sei stolz auf das Tafel-Team, das nicht nur für viele die Ernährung sichere, Einsame und Traurige stütze und ihnen Gemeinschaft biete, sondern auch jenen, für die die Welt grau und fad geworden ist, neue Ziele und die Sinnhaftigkeit des Lebens aufzeige.

Der Verein der Köche Westküste e.V., vertreten durch Klaus Carstensen und Uwe Karstens, hatten mit Auszubildenden eine Möhren-Ingwer-Suppe vorbereitet, die mit geräuchertem Tofu und Sonnenblumenkernen ergänzt und abgerundet wurde.

Der Posaunenchor Husum und der ukrainische Chor sorgten für musikalische Begleitung, harmonisch dezent und ruhig einerseits, schwungvoll-schmissig andererseits. Uwe Schmitz, ehemaliger Bürgermeister und seit einiger Zeit ehrenamtlich bei der Husumer Tafel tätig, zeigte allen Interessierten wie die mobile Tafel funktioniert. Die DW-Einrichtungen „Stromspar-Check“ und „Frauentreff“ waren mit Ständen vertreten und waren bereit für Fragen, Rede und Antwort.

Ein besonderer Dank galt wichtigen Unterstützenden, ohne die die lange Tafel weder so reibungslos funktioniert hätte und noch so bunt und fröhlich gewesen wäre: Dies waren insbesondere das THW, die Messe Husum, die Firma Helmut Thomsen aus Schwesing, die Stadt Husum, die Stadtwerke, die Brüder Jörg und Sven Stäwen, beide Hausmeister des DWs, die zwei Chöre, der Verein der Köche Westküste e. V. und nicht zuletzt das Unternehmen „Chefs Culinar“, das die Suppenzutaten kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte.

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