Sonja Wenzel

Eigentlich gibt es dieser Aussage nichts mehr hinzuzufügen: „Ein Teller Suppe kann mehr bewirken als lange Reden.“ So einfach und knackig brachte Bredstedts Bürgervorsteher Henry Bohm den Grundgedanken der „langen Tafel“ auf den Punkt. Ehrenamtliche sowie Kundinnen und Kunden der Bredstedter Tafel kamen kürzlich auf dem Marktplatz des Städtchens zusammen, um das Miteinander zu pflegen und ganz nebenbei einen Teller frisch zubereiteter Möhren-Ingwersuppe mit Brot und Sonnenblumenkernen zu essen. „Gemeinschaft beim Essen – das ist nicht nur Nahrung für Leib und Seele, sondern es ist ein Ausdruck für den Wunsch nach Verbundenheit und Nähe.“ So formulierte es Propst Mathias Lenz in seiner Andacht zum Auftakt der diesjährigen Veranstaltung. „Die tägliche Tafelarbeit ist vorbildlich, professionell und mit viel Engagement und sie geht uns alle an“, fuhr der Propst fort. „Die Tafel ist ein symbolischer Tisch für Mitmenschlichkeit und Einfühlungsvermögen an jedem Tag.“

Vor 18 Jahren öffnete in Bredstedt die Tafel ihre Pforten. Seitdem werden dort, so Bürgervorsteher Henry Bohm, nicht nur Lebensmittel, sondern auch „Würde, freundliche Worte und Hoffnung“ verteilt in einer vielfältigen Arbeit, die gespeist wird von Kraft, Zeit und Herzblut. Er dankte allen, die ehrenamtliche Arbeit leisten, sowie jenen, die sich bei der Vorbereitung der langen Tafel große Mühe gegeben hatten. Für Tafel-Leiterin Sylke Watter sei der jährlich wiederkehrende Termin der langen Tafel „ein besonderer Tag, ein Tag des Dankes“. Sie richtete ihren Dank an das Diakonische Werk Husum als Träger der Tafel, sowie an alle Mitstreitenden für die geopferte Zeit, für die Unterstützung, aber auch für die Spenden und die Verbundenheit in der Arbeit. Immerhin sind es 35 Ehrenamtliche, die an fünf Tagen in der Woche im Einsatz sind, Waren holen, sortieren, packen und später ausgeben: „Euer Engagement und eure Verlässlichkeit sind das Herz der Tafel“, sagte sie. Versorgt werden nach ihren Worten rund 300 Kunden und Kundinnen in etwa 110 Familien. Ein Drittel davon sind Deutsche, unter ihnen viele Rentner und Kinder.

Ein „passendes Bild für die Verbindung zwischen Menschen“ seien die aneinander gereihten Tische, so DW-Geschäftsführer Jens Grehm in seinen Grußworten. „Unterschiedliche Erfahrungen, Lebenswege und -geschichten kommen hier für einen Moment zusammen, und Menschen geben einander das Gefühl von Zugehörigkeit.“ Er umriss die Arbeit der Diakonie: „Hier arbeiten Personen, die jeden Tag aufs Neue zeigen, was Nächstenliebe bedeutet, die in Zeiten großer Herausforderungen an einem Strang ziehen, es ist eine große Gemeinschaft von unterschiedlichen Persönlichkeiten mit vielfältigen Aufgaben.“ Die Tafel sei mehr als nur die Ausgabe von Lebensmitteln, sondern ein Ort, an dem man sich auf Augenhöhe begegne, wo niemand reduziert werde auf seine Sorgen und Nöte, wo Vertrauen, Respekt regieren und der Wille zu gemeinsamer Lösungsfindung immer wichtiger werde. Er dankte den Privatpersonen und Unternehmen, die Lebensmittel spenden oder anderweitig unterstützen, den Kooperationspartnern, Service-Vereinen und den Ehrenamtlichen, aber auch den DW Hausmeistern Jörg und Sven Stäwen, Sabine Kock und ihrem Team, die die lange Tafel vorbereitet hatten, der Einrichtung „Stromspar-Check“, die mit einem Stand vertreten war, der Stadt Bredstedt und dem THW. Klaus Carstensen und Uwe Karstens, die beiden Köche vom Verein der Köche Westküste e.V. hatten sich ins Zeug gelegt und gemeinsam mit ihren Auszubildenden die Suppe gezaubert. Sie dankten der Firma „Chefs Culinar“, die die dafür nötigen Lebensmittel kostenfrei zur Verfügung gestellt hatten. Als weitere Gäste wurden Judith Horn, Amtsdirektorin Amt Mittleres Nordfriesland sowie Birte Friedrichsen, stellvertretende Vorsitzende vom Landfrauenverein Bredstedt-Reußenköge begrüßt, außerdem Bernd Hannemann vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein und die Integrationsbeauftragte des Kreises Nordfriesland, Inken Jessen.

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