Sonja Wenzel

Das festliche „vorweihnachtliche Abendessen“ für die Gäste der Husumer Bahnhofsmission ist im Laufe von  knapp eineinhalb Jahrzehnten eine liebgewonnene Tradition geworden. Das Prinzip ist so einfach wie genial und zeugt von ehrenamtlichem Engagement, aber auch von der Liebe zum Kochberuf. Mitglieder des „Vereins der Köche Westküste e.V.“ bereiten das Menü – soweit es möglich ist – vor, verpacken es sorgfältig und transportieren es zum „Ort des Geschehens“ – nämlich zur Bahnhofsmission, eine Einrichtung des Diakonischen Werks Husum. Der Rest wird in der dortigen Küche fertiggestellt. Etwa seit der Gründung des Köche-Vereins im Sommer 2007 freuen sich alljährlich bis zu zwei Dutzend Gäste auf eine weihnachtliche Einstimmung an schön gedeckten Tischen, mit weißen Tischtüchern, ansprechend gefalteten Servietten und gutem Porzellan: Auch in diesem Jahr hat Renate Lunks, neue Hauswirtschafterin bei der Bahnhofsmission, alle Register gezogen, um dem Abend einen gediegenen Rahmen zu geben.

Für ein hochwertiges Menü haben Stephan Matschulla, Koch und Pädagoge beim Jugendaufbauwerk in Albersdorf sowie Jörg Windheuser, Inhaber des Restaurants „Achtruper Stuben“ und sein Auszubildender im dritten Ausbildungsjahr, Jay Gerd Thomsen gesorgt. „Heute Abend gibt es Spargelcremesuppe mit Hackbällchen, anschließend Schmorbraten vom falschen Rinderfilet mit Schwarzwurzeln in Sahne sowie Petersilienkartoffeln. Als Dessert haben wir Zitronencreme vorgesehen“, beschreibt Windheuser das Menü und gerät ins Schwärmen, als er das geheimnisvolle „falsche Rinderfilet“ erläutert: „Das Fleisch, ein außerordentlich wohlschmeckendes, mageres und saftiges Fleischstück, wird aus der Schulter – auch ‚Bug‘ genannt – geschnitten und bürgt für hohe Qualität. Auch Sauerbraten lässt sich sehr gut daraus herstellen.“ Für den 20-jährigen Auszubildenden ist die Teilnahme an der Kochaktion gleich eine kleine Lehrstunde: Warum werden Eier nicht direkt, sondern zunächst in ein kleines Behältnis und erst dann in den Hackfleischteig geschlagen? Genau – es könnte eines verdorben sein oder Schalenreste verirren sich in die Masse. „Ich freue mich, dass ich mitmachen darf. So lerne ich gleich eine andere Küche und ihre Gegebenheiten kennen“, betont der junge Mann.

Viele Menschen, die ungenannt bleiben, haben sich am Gelingen der Veranstaltung beteiligt: „Der örtliche Handel hat uns alle Waren kostenfrei zur Verfügung gestellt. Wir mussten nichts dazukaufen“, so Matschulla und Windheuser. „Es freut mich sehr, dass die Gäste diese Veranstaltung annehmen und gern kommen. Ich sehe auch die Begeisterung der Köche und spüre, sie kommt aus dem Herzen“, führt Ute Petersen, Chefin der Bahnhofsmission aus. Es ist ohnehin ein besonderer Abend, an dem nicht nur Bürgermeister Martin Kindl kommt und nicht nur „fürstlich gespeist“ wird; sondern alle anwesenden Gäste erhalten ein Geschenk zum Auspacken: Die Aktion „Päckchen mit Herz“ hat wieder unzählige Bürgerinnen und Bürger auf den Plan gerufen, die selbstlos und mit warmem Herzen Weihnachtspakete mit nützlichem Inhalt für Männer und Frauen zusammengestellt und bei der Bahnhofsmission abgegeben haben. „Es ist immer wieder einmalig zu sehen, wie viele Pakete zusammenkommen. Mein Team und ich danken allen Spenderinnen und Spendern“, so Ute Petersen.

Diese „mit Herz“ gepackten, weihnachtlich eingeschlagenen Pakete werden in der folgenden Zeit „an die Bedürftigen in Husum und Umgebung“ abgegeben, so Ute Petersen. Die nächste feierliche Bescherung wird am 24. Dezember stattfinden: „Dann haben wir unser alljährliches Weihnachtsessen mit hausgemachten Rouladen. Die – bereits ausgebuchte – Veranstaltung beginnt um 11 Uhr.“ Dann werden nicht nur Päckchen beschert – es gibt auch etwas für die Seele: Pröpstin Inken Wöhlbrand wird die Andacht halten und „wir werden viele Weihnachtslieder singen“, lächelt Ute Petersen. Jörg Windheuser, Stephan Matschulla und Jay Gerd Thomsen haben ihre eigene Ansicht von der Adventszeit: „Es mag vielleicht nicht selbstverständlich sein, dass man sich ehrenamtlich für Menschen engagiert, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen – aber die Zeit, in der wir leben, wird zusehends rauer und es wäre schön, wenn es mehr Zusammenhalt gäbe – der ist bitter notwendig.“

Weitere Beiträge