Gesichter von Menschen; interessant; lebendig; ungeschönt und ausdrucksvoll; durchzogen von mancher Linie, die ein schwieriges Leben hineingegraben hat – so hat der Preetzer Fotograf Holger Förster die Portraits für die Fotoausstellung „Menschen wie wir“ angelegt. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Straßenmagazins „Hempels“ schauen die Portraitierten in die Kamera und kommen darüber hinaus zu Wort: Es sind besondere Worte, die diese Menschen sprechen, denn sie alle sind „Hempels“-Verkäufer und -Verkäuferinnen seit mehr oder weniger vielen Jahren.
Noch bis zum 24. Oktober können Besucher und Besucherinnen diese Ausstellung in der Husumer Marienkirche auf sich wirken lassen. „Hempels“ – das bekannte und allerseits viel gelesene „Straßenmagazin für Schleswig-Holstein“ stellt seit 30 Jahren die Geschichten von Menschen in den Fokus, die sozial ausgegrenzt werden, die Armut und Wohnungslosigkeit erfahren haben und die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Erstmalig ging das heute professionell produzierte Magazin im Jahre 1995 in Druck. Doch würde es die Phalanx von „Hempels“-Verkäufern und -Verkäuferinnen nicht geben, würde die Öffentlichkeit viel weniger von diesen oft drängenden und drückenden Themen erfahren. Anlässlich des Jubiläums wurde ein Gottesdienst in der Marienkirche gefeiert: „30 Jahre sind die Verkäufer und Verkäuferinnen im Einsatz. Das heißt, 30 Jahre mutig genug zu sein, um nicht aufzugeben, hinzusehen und nicht gleichgültig den Blick weiterschweifen zu lassen, 30 Jahre sich kümmern, miteinander leben und zu einer Gemeinschaft gehören. Mit jedem Exemplar wird nicht nur eine Zeitung verkauft, sondern ein Stück Menschsein, ein Blick, ein Lächeln“, sagte Pastor Andreas Raabe in seiner Andacht und lobte dabei die gute Zusammenarbeit zwischen dem Diakonischen Werk Husum und „Hempels“.
In Kiel gibt es das „Hempels“-Café „zum Sofa“, und dementsprechend wurden drei Personen auf das in der Marienkirche aufgestellte Sofa gebeten. Die Gespräche führte DW-Mitarbeiter und Abteilungsleiter „niedrigschwellige Hilfen“, Jens Frank. Jo Tein, ursprünglich Sozialarbeiter und Theologe, ist ehrenamtlicher Erster Vorsitzender des Vereins „Hempels e.V.“ und hat das Magazin mitgegründet. „Die Arbeit mit Menschen hat mich bei Hempels am meisten überzeugt“, sagte er. „Die Verkäuferinnen und Verkäufer sind dabei, um ihr Deutsch zu perfektionieren, um ein wenig Geld dazuzuverdienen oder um Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Wichtig ist auch der Aspekt der Wahlfamilie, die die Hempels-Gemeinde darstellt.“ Der Lauf der Zeit zeige, dass es Sucht, Einsamkeit und Ausgrenzung weiterhin gebe und insofern auch ein Sprachrohr vorhanden sein müsse, das auf diese Probleme aufmerksam mache. Ein „alter Hase“ ist der Husumer Hempels-Verkäufer Hans Linke. Seit 15 Jahren gehört er ins Stadtbild: „Jeder kennt mich“, schmunzelte er. Durch Obdachlosigkeit sei er zufällig in Husum gelandet; ein Bekannter habe ihn auf die Möglichkeit des Hefte-Verkaufs aufmerksam gemacht. Er genieße es jedes Mal, wenn Passanten stehen bleiben und „ans Schnacken“ kommen: „Macht bitte weiter so, ich freue mich über jedes kleine Gespräch – und ich werde weiter verkaufen, so lange ich es kann“, resümierte Hans Linke. Andrea Schimanski von der Beratungsstelle für Wohnungslosigkeit in der Bahnhofsmission wünscht stets einen fairen Umgang der registrierten Verkäufer und Verkäuferinnen untereinander, damit dieses kleine Zusatz-Einkommen gesichert sei und nicht von außen gefährdet werde.
„Brich mit dem Hungrigen dein Brot…“ Passend zum Gesamtthema hing die mächtige Erntekrone in der Marienkirche von der Decke herab. Quasi „unter dem Schirm“ dieses Symbols für reichliche Gottesgaben fanden die Andacht und die Gespräche statt. „Wie oft schauen wir weg, weil das Elend der andere uns nichts angeht oder vielleicht auch zu nahe geht – und wie oft leben wir, als gäbe es nur uns selbst“, so lauteten die Worte von Pastor Raabe. „Hempels zeigt, was menschliche Gemeinschaft ausmacht. Wir feiern nicht nur ein Magazin, sondern Menschlichkeit und Courage. Möge das Magazin weiterhin von diesem Geist getragen werden“, sagte er. Der Husumer Malte Schroers gab zwei selbstkomponierte Lieder zum Besten und begleitete sich dazu auf der Gitarre. Der Beifall für den jungen Musiker kam den Gottesdienstbesuchenden aus dem Herzen.





