Sonja Wenzel
Streetwork – aufsuchende Arbeit in den Straßen der Stadt, an der Bushaltestelle, im Schlosspark oder an der Skaterbahn: wie passend, dass auch die Feierlichkeiten rund um den 20. Geburtstag der Streetwork gewissermaßen „auf der Straße“ stattfinden konnten – kommunikativ und zwanglos vor dem Eishaus, wo diese Einrichtung des Diakonischen Werks Husum ihre Räumlichkeiten hat.
„Dies ist ein Anlass, um stolz und dankbar zurückzublicken, aber auch, um erwartungsvoll in die Zukunft zu schauen“, sagte DW-Geschäftsführer Jens Grehm in seinem Grußwort. Streetwork sei gelebte Nähe, eine unverzichtbare Station für viele Menschen, die von herkömmlichen Systemen nicht erreicht werden; eine mutige, unbürokratische sowie ernstnehmende und verlässliche Arbeit, dort, wo sie gebraucht werde. Er dankte dem Team, das demnächst um Anni Rode-Mittag erweitert wird, für „Fachlichkeit und Respekt vor den jungen Menschen, für Empathie und Ausdauer“ sowie für den „langen Atem“, denn: Es seien „viele kleine, stille Schritte“, die aber letztlich für die Betroffenen einen großen Unterschied machen. Er warf einen Blick auf die Digitalisierung, die neue Probleme aufwerfen könne, auf familiäre Konflikte und Ausgrenzungs-Szenarien in der Schule: „Streetwork passt sich an neue Gegebenheiten an. Zuhören kommt vor urteilen, Vertrauen kommt vor Kontrolle.“ Er dankte auch den Kooperationspartnern und -partnerinnen, besonders der Stadt Husum als hauptsächlicher Geldgeberin, der Kinder- und Jugendhilfe des Kreises Nordfriesland, den Beratungsstellen, der Polizei und den Schulen. „Das Diakonische Werk Husum steht weiterhin zur Streetwork, sie wird sich weiterentwickeln und stets engagiert, flexibel und innovativ handeln.“
Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Martin Kindl: Straßensozialarbeit finde nicht hinter dem Schreibtisch statt, sondern draußen vor Ort mit Mitarbeitenden, die „den Finger an den Puls der jungen Generation“ legen. Er sei froh, dass das Diakonische Werk Husum die Projekt-Trägerschaft innehabe, dass die Streetwork sich um die Bedürfnisse kümmere und Hilfe gewähre, bevor es zu spät sei. „Ihr leistet eine hervorragende Arbeit. Herzlichen Dank dafür und macht weiter so!“
Dort, wo andere wegsehen, weghören oder sich abwenden, sei die Streetwork da: „Das ist gelebte Beziehungsarbeit an Stellen, wo kein Hilfeplan und keine Maßnahme hinreiche, wertvoll und unersetzlich“, sagte Daniel Thomsen, Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Bildung beim Kreis Nordfriesland. „Eure Arbeit ist heute wichtiger denn je und ein täglicher Beitrag zur sozialen Teilhabe.“ Er sprach seinen Dank aus für die „Kooperation auf Augenhöhe“, für Energie, Engagement und Teamgeist: „Damit die Streetwork ein Ort der Menschlichkeit bleibt.“
Christoffer Bethmann vom Hamburger Verein „Streetlife e.V.“ gab einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Streetwork, die sich die Wahrung und Anerkennung der Menschenwürde und -rechte in jeder Lebenslage auf die Fahnen geschrieben hat. Im ausgehenden 19. Jahrhundert zunächst eine Arbeit mit mildtätigen Aspekten sowie moralischem und missionierendem Anspruch, habe sie sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verändert und den Wiederaufbau und die Versorgung Kriegsgeschädigter in den Fokus genommen. Bis in die späten 1980er Jahre habe sich die professionelle Straßensozialarbeit in München entwickeln können durch Wohnungslosigkeit, Drogenabhängigkeit und die Punkbewegung. „Streetwork ist anpassungsfähig und innovativ geworden, immer niedrigschwellig, freiwillig und anonym sowie parteilich für unsere Zielgruppen“, sagte Bethmann.
Die derzeitigen Streetwork-Mitarbeiter Erik Hähling und Kevin Petersen leisten die aufsuchende Arbeit und kümmern sich um junge Menschen in prekären Lebenssituationen. Sie dankten gemeinsam mit Abteilungsleiter Jens Frank dem BISS (Kinder- und Jugendforum der Stadt Husum) sowie dem Mädchentreff für die angenehme Kooperation. Sie wünschen sich weiterhin konstante Akzeptanz sowie die Unterstützung und Wachsamkeit der Bevölkerung, die oft in auffälligen Situationen Bescheid gebe. Toby von der Jungengruppe „Wilde Jungs“ unterstützte während der Veranstaltung charmant und zuverlässig an der Getränkebar, Verpflegung garantierte der Streetfood-Wagen. Zum Ausklang gab es Livemusik.










