Annika Leese

Wenn über Religion gesprochen wird, dann sind es oft die Unterschiede, die in den Vordergrund gestellt werden, dabei haben alle großen Weltreligionen auch einige fundamentale Gemeinsamkeiten – z. B. das Fasten.

Der Verzicht auf bestimmte Lebens- oder Genussmittel soll ein Besinnen auf Gott und damit einhergehend auf die eigene Spiritualität ermöglichen. Im Christentum, je nachdem ob evangelisch oder katholisch wird auf bestimmte Nahrungsmittel verzichtet und allgemein weniger gegessen. Während des Ramadan verzichten Muslim*innen tagsüber sogar auf das Trinken. Nur zwischen Sonnenunter- und aufgang darf gegessen und getrunken werden. Es ist eine Zeit, in der Routinen durchbrochen werden – der Körper kommt zur Ruhe, was dem Geist ganz neue Entfaltungsmöglichkeiten bieten kann.

Wir haben mit zwei Muslim*innen und einem Christen über das Fasten und die Bedeutung im Islam und Christentum gesprochen. In diesem Jahr fallen Ramadan und Passionszeit in einen ähnlichen Zeitraum. Der Ramadan verschiebt sich jedes Jahr um 10 Tage nach vorn und orientiert sich am Mondkalender, während die Passionszeit immer im selben Zeitraum zwischen Aschermittwoch im Februar/März und Ostern im April liegt. Majd Al Kasir erzählt im Gespräch, dass von Menschen muslimischen Glaubens 2030 sogar zweimal gefastet werde: einmal im Januar und einmal im Dezember.

Er und Loujain Baker fasten seit ihrer Jugend jährlich zum Ramadan und erzählen, was das Fest für sie so besonders macht. Schnell ist zu spüren, dass es die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen und der Familie ist, die nach Sonnenuntergang gemeinsam das Fastenbrechen zelebriert. So kommen Nachbarn, Freunde und Familie zusammen, um zu essen und zu beten. Oft wird auch gemeinsam im Koran gelesen. Es ist aber auch eine Zeit, in der die Gläubigen sich auf sich und ihre Spiritualität besinnen und in der Gott Fehler verzeiht. Das Ziel des Fastens für Majd und Loujain ist es, ins Paradies zu kommen. Außerdem erzählen sie, dass Kinder bis 12 Jahre, kranke Menschen, Schwangere und Menschen auf Reisen nicht fasten müssen. Verpasste Fastentage dürfen zu jeder Zeit im Jahr bis zum nächsten Ramadan nachgeholt werden.

Am 30. März 2025 endet der diesjährige Ramadan mit einem dreitägigen Fest, bei dem in Husum ca. 400 Menschen aus der islamischen Gemeinde  zusammenkommen. Hier gibt es dann verschiedene, gemeinsame Aktivitäten wie Gebet, essen, Spiele für Kinder, Feiern – oft fahren die Familien in den Hamburger Zoo oder besuchen das Funcenter in Husum. Auch zuhause wird mit Nachbarn, Freunden und Familie gefeiert. In Syrien wird das Zuckerfest eigentlich Frühstücksfest genannt – denn nach der Fastenzeit darf endlich wieder zur Frühstückszeit gegessen werden. Der Begriff Zuckerfest kommt aus der Türkei. In muslimischen Ländern gibt es während des Ramadan zusätzliche Erleichterungen, wie kürzere Arbeitstage oder freie Tage vor dem Zuckerfest.

Leif Mennrich, Pastor im Kirchenkreis Nordfriesland, nutzt die Passionszeit seit seiner Kindheit zum Fasten und zur Besinnung: „Im christlichen Glauben ist das eine individuelle Entscheidung. Da gibt es keinen sozialen Druck.“ Er findet es schade, dass es, anders als im Islam, in christlichen Gemeinden in der Fastenzeit weniger Gemeinschaft gibt. Hier kommt man nicht zum Fastenbrechen am Sonntag zusammen und zelebriert gemeinsam, dass man eine besondere Zeit erlebt. Das Fasten hat eine religionsübergreifende Bedeutung, das verbindendes Potential birgt und für ein gegenseitiges Verständnis förderlich sein kann.

Die muslimische Gemeinde in Husum ist für das Fest noch auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Über einen Hinweis für eine Möglichkeit, ca. 400 Menschen unterzubringen, freuen wir uns sehr unter 04841 691410 oder an info@dw-husum.de.

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