Sonja Wenzel

„Was Tafeln tun, ist nicht selbstverständlich. Mit Herz und Verstand wird das, was übrig bleibt, dorthin gebracht, wo es fehlt. Zum Teil verlieren wir uns in der Überfülle eines Warenangebots, auf der anderen Seite aber herrscht Mangel. Tafeln lindern Not, sie sind aber kein Ersatz für eine verfehlte Sozialpolitik. Sie als ehrenamtliche Tafelmitarbeitende zeigen beeindruckendes Engagement, das Respekt und Dank verlangt.“ Dies waren die Worte des 2. stellvertretenden Landrats des Kreises Nordfriesland, Jens Peter Jensen, anlässlich der Mitgliederversammlung der „Tafel Schleswig-Holstein/Hamburg e.V.“, die unlängst im Gemeindehaus Sankt Marien stattfand. Vertretende von 25 Tafeln waren der Einladung gefolgt. Wer zunächst nur die Warenausgabe und das Miteinander auf Augenhöhe sieht und kennt, weiß aber nicht, welch ein logistischer Kraftakt, welch gut geölte Maschinerie hinter der Organisation steckt – und dass ohne Netzwerk, ohne Austausch und gegenseitige Unterstützung die Effizienz der Tafeln nicht in diesem Maße gewährleistet werden könnte.

Der Geschäftsführer des Diakonischen Werks Husum, Jens Grehm sowie Husums Bürgervorsteher Robert Koch dankten allen Ehrenamtlichen, hoben aber auch hervor, dass Armut durchaus zur psychischen Belastung werden könne und der Gang zur Tafel nicht einfach sei. Gleichwohl wirken die Tafeln „Ungleichgewichten und Ungerechtigkeiten“ entgegen, leisten einen unermesslichen, gesellschaftlichen Dienst von hohem praktischen und moralischen Wert, stehen für zwischenmenschlichen Austausch und Solidarität und schenken Hoffnung: Deshalb sei die Vernetzung so bedeutsam, ebenso die Unterstützung durch Spender und Sponsoren. In diesem Sinne fügte Cornelia Möller, Vorstandsmitglied der Tafelstiftung an: „Wir unterstützen die Tafeln gern, bieten Schulungen an oder organisieren Trainings. Die Tafelstiftung hilft den Helfenden und macht die Tafelarbeit weiterhin positiv bekannt.“

Eine große Sorge vieler Tafeln ist, dass die Kundenzahl gestiegen ist, der Handel hingegen „mit spitzer Feder“ kalkuliert und deshalb weniger Waren verteilt werden können. Doch der – gedanklich zunächst naheliegende – Zukauf von Waren aus Geldspenden für die Abgabe an Kunden packe das Problem nicht an der Wurzel. Dies merkte der Vorsitzende des Vereins, Frank Hildebrandt an. „Tafeln sammeln gute Lebensmittel ein und gleichen damit das Verhältnis zwischen Mangel und Bedarf aus. Sie sind aber keine Versorger. Auch von Händlern wird der Zukauf von Waren kritisch gesehen.“ Unproblematisch dagegen sind Konzepte und Aktionen, die auf das Spenden von Lebensmitteln abzielen. Als große Hilfe könnte dabei der neue Kooperationsvertrag – zunächst mit einer Laufzeit bis Ende 2027 – zwischen der Spedition Dachser und der Tafel Deutschland sein.

Eine von knapp 60 Tafeln in Schleswig-Holstein und Hamburg ist in Husum. Sie existiert seit über 20 Jahren und befindet sich von Anfang an in gemeinsamer Trägerschaft von AWO und Diakonischem Werk. Die Tafeln in Husum, Bredstedt und Tönning sowie die mobile Tafel betreuen rund 2.000 Kundenhaushalte, davon sind, nach Aussage des Husumer Tafelchefs Charly Häuber, 1.000 Haushalte „aktiv“. Dass das Warenangebot knapper werde, sei deutlich spürbar. Diese Erfahrung machen auch die Tafeln in Barsbüttel und Elmshorn. Bei der Tafel in Norderstedt werden zwischen 1.500 und 1.700 Haushalte an elf Ausgabestellen versorgt. Die Kunden seien mehr geworden, die Versorgung mit Waren, die unter anderem auch von einem Serviceclub geliefert werden, sei noch ausreichend. Auch in Schleswig stehe eine erhöhte Kundenzahl einem sinkenden Warenangebot gegenüber. Die Tafel Schwarzenbek pflegt persönliche Kontakte zu bestimmten Lieferanten und hat ein System ausgeklügelt, bei dem Kunden Waren über Wertmarken kaufen können und diese zu bestimmten Terminen von Tafel-Helfenden abgeholt werden. Unter anderem wurde der – von den Prüfenden unbeanstandete – Kassenbericht von Karsten Wessels vorgelegt, der Vorstand wurde entlastet. Die Husumer Tafel-Helferinnen und Helfer gaben der Veranstaltung einen angenehmen kulinarischen Rahmen und sorgten für die Ausgabe von Frühstück sowie einer deftigen Mittagssuppe und des nachmittäglichen Kuchens – beides aus der Küche der Husumer Bahnhofsmission.   

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