Sonja Wenzel

Auf dem Tönninger Marktplatz, zu Füßen der ehrwürdigen Kirche Sankt Laurentius – welcher Platz eignete sich besser zu einem gemeinsamen Mittagessen? Gemeinsam – das heißt, egal, ob jung oder älter, egal, welchen Glaubens, ob gut betucht oder weniger und egal, ob einander bekannt oder unbekannt: Einmal im Jahr, an einem sommerlichen Spätvormittag, lädt das Diakonische Werk Husum (DW) alle Menschen zur so genannten „langen Tafel“ ein, um gemeinsam einen Teller voll guter Suppe zu verzehren, vorab ein wenig innere Einkehr zu halten bei Gottes Wort – und mit den Tischnachbarn und -nachbarinnen ins Gespräch zu kommen. So hatten alle, sowohl Kunden und Kundinnen der Tafel Eiderstedt, als auch jene, die zufällig „in eigenen Geschäften“ über den Marktplatz gingen, Gelegenheit, sich bunte Minestrone mit frischem Parmesan und Ciabatta einzuverleiben.

Darüber hinaus gab es gleichzeitig ein wichtiges Datum zu feiern, denn die Tafel Eiderstedt beging ihr 20-jähriges Jubiläum. Der ehemalige DW-Aufsichtsrats-Vorsitzende Prof. Dr. Stefan Krüger dankte allen Unterstützern und Unterstützerinnen, besonders aber den vielen Ehrenamtlichen der Tafel, die Zeit, Kraft und Engagement investieren: „Sie verdienen höchste Wertschätzung und Respekt. Denn zwei Jahrzehnte Tafel Eiderstedt bedeuten Tausende ausgegebene Lebensmittel und Tausende Gespräche, Begegnungen und Ermutigungen“, sagte er. Zudem sei es keine „Schande“, dass es die Tafeln gebe: „Es geht hier nicht nur um die Ausgabe von Waren; hier entstehen Mitmenschlichkeit, Halt und Würde.“ Tönnings Bürgervorsteher Jens Binder, der „mit diakonischem Hintergrund“ aufgewachsen ist, äußerte sich ähnlich: „Die Tafel Eiderstedt ist seit 20 Jahren ein unverzichtbarer Anker in unserer Gesellschaft, nicht nur, weil dort Lebensmittel erhältlich sind, sondern weil es ein Ort mit Wärme und Menschlichkeit ist.“ Viele Ehrenamtliche seien seit der ersten Stunde engagiert: „Ihnen gebührt Dank und tief empfundene Achtung.“ DW-Geschäftsführer Jens Grehm dankte dem Inhaber von Herrenhaus Hoyerswort, Alfred Jordy, und den Rotariern von Eiderstedt und Sankt Peter-Ording: Bei einem Konzert der Husumer Gruppe „Rockville“ waren, unter anderem aus Gagenverzicht, 1.000 Euro zusammengekommen, die der Tafel Eiderstedt gespendet wurden. Besonders ausgezeichnet wurden Gretchen Düsterhöft, Helmi Jakobs, Britta Noack und Ina Hinrichsen, alles engagierte Frauen der „ersten Stunde“, die gewissermaßen mit zum Gründungsteam der Tafel gehören und diese in- und auswendig kennen: Sie erhielten als Anerkennung für ihre unermüdliche Leistung dicke, bunte Blumensträuße. „Ehrenamtliche bringen ihre Zeit, ihre Tatkraft und Erfahrungen mit in die Arbeit ein. So entstehen gelebte Solidarität, wohltuende Begegnungen und verlässliche Unterstützung“, so Jens Grehm. Großes Lob und tief empfundener Dank wurde dem „Kochteam“ zuteil, den Tourist- und Freizeitbetrieben Tönning, dem THW, allen Sponsoren und Sponsorinnen, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen. Darüber hinaus wurden Sabine Kock mit ihrem Team, aber auch Geschäftsbereichsleiterin Adelheit Marcinczyk lobend erwähnt für die Planung und die Umsetzung der Veranstaltung bis ins „stimmige“, kleinste Detail. Ralf-Thomas Knippenberg von der Kirchengemeinde Garding hielt die Andacht: „Menschen engagieren sich, um das zu verteilen, was vom Überfluss noch da ist“, lauteten seine Worte. Er erzählte die Bibelgeschichte vom Fest, zu dem zwar eingeladen wird, aber niemand geht hin, weil die eigenen Vorhaben scheinbar wichtiger sind. Doch das Fest wird nicht abgesagt, nur die im „zweiten Anlauf“ Eingeladenen haben andere Lebenshintergründe: Es sind die Armen und Einsamen, die Bedürftigen und Beladenen. „Ablehnung, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen, bleibt eine Ablehnung. Doch Gott will, dass wir seine Einladung annehmen. Wir sollten öfter unsere Prioritäten überdenken“, schloss Knippenberg.

Tafelmitarbeiter Manfred Boldt zeigte und erklärte das „Innenleben“ der Mobilen Tafel, die die Menschen in verschiedenen Landgemeinden versorgt. Auch die DW-Einrichtung „Stromspar-Check“ stand für Informationen bereit, genauso wie die Fachstelle Migration. Die musikalische Untermalung übernahm die Gruppe „Akustik? Die saß da.“ Stephan Matschulla vom Jugendaufbauwerk Dithmarschen in Albersdorf hatte mit Lea Zarp aus dem zweiten und Fabian Wohlers aus dem dritten Lehrjahr tatkräftige Unterstützung. „Es ist bereits gute Tradition, die lange Tafel mit Suppe für etwa 100 Personen zu versorgen. Das muss man pflegen und es ist für einen guten Zweck“, sagte Matschulla.

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