Sonja Wenzel

Wer Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, effektiv unterstützen will, braucht dafür nicht nur Respekt, Empathie und ein großes warmes Herz; auch die Rahmenbedingungen für diese sensible Arbeit müssen stimmen. Das zeigt sich an dem über 100 Jahre alten Gebäude der zum Diakonischen Werk Husum gehörenden Husumer Bahnhofsmission. Verschiedene Renovierungsarbeiten dulden keinen Aufschub mehr. Der Umfang und die Kosten der Maßnahmen sorgten bei der Jahreshauptversammlung des „Freundeskreises Bahnhofsmission Husum“ für viel Diskussionsstoff. Unerlässlich ist es, die nach vorne gelegenen Fenster zu erneuern: Sie dienen zum Teil auch als Fluchtweg. Ebenso ist das Bad, ein wichtiger Rückzugsort für eine große Anzahl von Gästen, nach vielen Jahren des Gebrauchs akut erneuerungsbedürftig. „Insgesamt werden Kosten von rund 24.000 Euro entstehen. Es wird nach Abzug der dafür vorgesehenen Rücklagen eine Finanzierungslücke von etwa 4.000 Euro bleiben, die der „Freundeskreis Bahnhofsmission Husum“ aus Vereinsmitteln zu stopfen gedenkt. Das Dach muss ebenfalls von Grund auf saniert werden – doch da ist noch ein wenig zeitlicher Spielraum, wenn zunächst nur ein Teil erneuert wird: „Das Dringendste zuerst – dann können wir mit dem Dach noch etwas warten“, so Adelheit Marcinczyk, Geschäftsbereichsleitung beim Diakonischen Werk.

Der Freundeskreis unterstützt die Bemühungen um eine präsentable, modernisierte Bahnhofsmission finanziell, soweit es möglich ist: seien es notwendige Utensilien für die Küchenarbeit oder Schließfächer für Gäste, deren Anzahl und Standort lebhaft diskutiert wurde. Ins Auge gefasst wurde die Anschaffung von etwa fünf verschieden großen Schließfächern in einem Modulsystem, die robust und wetterfest sind und ohne empfindliche Elektronik auskommen. Vorstandsmitglied und Schatzmeister Jens Lösche freute sich darüber, dass für die Schlafräume nicht nur neue Matratzen, sondern auch kleine Schränke angeschafft werden konnten, die den Gästen noch mehr zweckmäßigen Stauraum bieten. Auch der Raum der Stille wird mit neuem Mobiliar noch ansprechender gestaltet: Dazu gehören ein praktischer, ausziehbarer Tisch sowie bequeme Bänke und Stühle.

Auf eine erfolgreiche, unbürokratische Vereinsarbeit im vergangenen Jahr blickte die Vorsitzende Verena Wend zurück: „Die Bevölkerung hat uns wieder wunderbar unterstützt bei der Aktion ‚Päckchen mit Herz‘“, sagte sie, und dankte, ebenso wie die Leiterin der Bahnhofsmission Ute Petersen, allen, die sich an dieser adventlichen Unternehmung beteiligt hatten. Etwa 200 Päckchen waren zusammengekommen. „Alle Gäste, auch jene in anderen Unterkünften, konnten bedacht werden“, freute sich Letztere. Der Husumer Lions-Club hatte den Erlös aus einer Kino-Matinee dem Freundeskreis gespendet, und der frühsommerliche „Tag der Bahnhofsmission“ im letzten Jahr war mit Führungen durch das Haus, Andacht, Verpflegung vom Grill, Bilderausstellung, Flohmarkt und Musik ein „voller Erfolg“. Ein wichtiger Meilenstein war auch das 30-jährige Jubiläum des Straßenmagazins „Hempels“ mit tatkräftiger Verkaufsunterstützung von Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Wirtschaft.  

Ute Petersen kann in der Bahnhofsmission vier Männern und – abgetrennt – zwei Frauen Schlafplätze anbieten. Alle Dienste können während der Öffnungszeiten zuverlässig abgedeckt werden. Zusätzlich leistet mehr als ein Dutzend Ehrenamtliche „Dienst am Menschen“ am Bahnsteig, in den Abendstunden und in der Hauswirtschaft. Mittlerweile hat sich sogar eine Friseurin bereit erklärt, den Gästen in bestimmten Abständen unentgeltlich Frisieren und Haareschneiden anzubieten. Es stellen sich kontinuierlich rund zehn Personen zum Abendbrot ein. Im Winternotprogramm sind nach Jens Franks Worten im Moment sechs Männer und zwei Frauen untergebracht: „Das Problem der Wohnungslosigkeit wird drängender“, betonte er. Dennoch beobachtet Ute Petersen Tendenzen, die zuversichtlich stimmen und Mut machen: „Es gibt in letzter Zeit mehr Miteinander, mehr Austausch und ein Gemeinschaftsgefühl, das Neuankömmlinge freundlich miteinbezieht.“ Wer diese wichtige Arbeit mit einer Spende unterstützen möchte, kann auf das Konto  der Nospa, IBAN DE80 2175 0000 0121 2297 69, BIC: NOLADE21NOS eine Spende überweisen. Das Team der Bahnhofsmission sowie der Freundeskreis bedanken sich schon jetzt für jede Zuwendung.

Fotos: Die neuen Matratzen werden begutachtet und verschiedene Standortmöglichkeiten für robuste Schließfächert werden diskutiert.

Weitere Beiträge