Text und Foto: Georg Meggers
Um Leserinnen und Leser in Nordfriesland zu erreichen, arbeitet HEMPELS mit dem Diakonischen Werk Husum zusammen. Wir trafen einen 64-Jährigen, der das Straßenmagazin in der Kreisstadt anbietet – und einen 23-Jährigen, der den HEMPELS-Verkauf an Schleswig-Holsteins Westküste koordiniert.
„HEMPELS hat 30-jähriges Jubiläum, ich habe 15-Jähriges“, sagt Hans Linke dem Reporterbesuch zur Begrüßung und grinst. Und dann erklärt er, was er damit meint: Seit anderthalb Jahrzehnten verkauft der ehemalige Obdachlose das Straßenmagazin am selben Standort – vor einem Bäcker in der Nähe vom Marktplatz sowie dem Hafen seiner neuen Heimat Husum.
Für einen hohen Anteil der Einwohnerschaft dürfte er somit zum Stadtbild gehören. Als „Hans HEMPELS“ sei er den Leuten bekannt, so der 64-Jährige. Oder als „BVB-Hans“. Das sagt er mit einem Gesichtsausdruck, als sei er mit beiden Spitznamen äußerst einverstanden. Und warum auch nicht – schließlich spielen das Straßenmagazin für Schleswig-Holstein und der Fußball-Bundesligist aus Dortmund Hauptrollen in seinem Leben. Aus Husum möchte er „nie wieder weg“, sagt Hans Linke und schüttelt dabei seinen Kopf samt der schwarzen Kappe mit dem gelben BVB-Logo darauf. Er wuchs in Nordrhein-Westfalen auf, wo er Bergmechaniker lernte und im Steinkohleabbau arbeitete. Nach jahrelanger Maloche unter Tage verlor er zuerst seinen Job und dann auch seine Wohnung. Über zehn Jahre reiste er daraufhin durch Deutschland und übernachtete auf den Straßen. Bis er in Nordfriesland landete. „Eher zufällig“, wie er sagt. In der Husumer Bahnhofsmission sowie der Beratungsstelle für Wohnungslose traf er Menschen, die ihm halfen, zunächst in einem Wohnprojekt unterzukommen und später eine eigene Wohnung zu finden.
In der Bahnhofsmission ist er bis heute regelmäßig zu Gast. Hier trinkt er eine Tasse Kaffee, schnackt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bekommt die aktuellen Ausgaben vom Straßenmagazin HEMPELS. Zum Interview treffen wir ihn im sogenannten „Raum der Stille“ dieser Einrichtung, in dem etwa Wohnungslose oder von Armut Betroffene Ruhe finden sollen. An einem runden Tisch ihm gegenüber sitzt Bent Lukas, 23 Jahre alt und Fan des Hamburger SV. „Jetzt spielen wir wieder in einer Liga“, sagt er zum HEMPELS-Verkäufer. „Und im November treffen wir im Volksparkstadion aufeinander!“ Man ahnt, dass sich die Gespräche der beiden in den nächsten Wochen monothematisch um diese Partie drehen werden.
Bent Lukas studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Kieler Uni, daneben betreut und koordiniert der gebürtige Nordfriese seit fast einem Jahr den HEMPELS-Verkauf an der Westküste. Zwischen Sylt und Heide sucht er nach neuen Verkaufenden sowie Plätzen, an denen sie verkaufen dürfen. In Husum hat Bent Lukas in diesem Jahr zwei neue Verkäufer gefunden. Droht also Konkurrenz um Kundinnen und Kunden für Hans Linke? „Auf keinen Fall“, sagt der wie aus der Pistole geschossen. „Ich freue mich über meine Kollegen!“
In den vergangenen Jahren starben zwei Männer, die die HEMPELS-Historie in der Theodor-Storm-Stadt und weit darüber hinaus prägten: der langjährige Straßenverkäufer Willi Wallner (1951-2020) und Thomas Repp (1962-2022), der Redaktions- und Vorstandsmitglied vom HEMPELS e. V. sowie Straßenverkäufer und Verkäuferbetreuer war. „Jetzt zum Jubiläum denke ich oft an die beiden“, sagt Hans Linke. „Wir Husumer HEMPELS-Verkäufer hatten immer ein gutes Verhältnis zueinander.“
Für das Foto zu diesem Bericht im Jubiläumsheft schlägt er den Husumer Hafen als Kulisse vor. Auf dem knapp zehnminütigen Spaziergang von der Bahnhofsmission dorthin erzählt der Wahl-Nordfriese, dass er für die Zukunft keine großen Wünsche hat: „Soll so weiterlaufen wie bisher!“ HEMPELS wolle er jedenfalls verkaufen, solange es seine Gesundheit zulässt. „Dadurch habe ich eine Tagesstruktur und Beschäftigung. Und Leute zum Schnacken.“ Besonders gerne natürlich über Fußball; „das Thema geht immer“.
„Und das hier“, sagt Hans Linke und zeigt auf sein Trikot und seine Jacke in den schwarz-gelben Farben seines Lieblingsvereins, „das hier hat mir ein Stammkunde geschenkt“.
Zum Foto: Bringen HEMPELS an die Westküste: der gebürtige Nordfriese Bent Lukas (links) mit Wahl-Nordfriese Hans Linke am Husumer Hafen.
