Sonja Wenzel
Wenn die Temperaturen in Richtung Gefrierpunkt sacken und die Nächte eisig sind, kann dies ein Grund für große Not sein; denn die Winteridylle ist erst dann anheimelnd, wenn man die Kälte vor der Tür lassen und in eine behagliche Wohnung schlüpfen kann. Doch diese selbstverständliche Sicherheit haben manche Menschen nicht. Deshalb wird vom 1. Dezember bis Ende März ein weiteres Mal das „Winternotprogramm“ des Diakonischen Werks Husum (DW) aufgelegt. „Wir werden eine Wohnung in der Richard-von-Hagn-Straße anmieten, und können somit fünf Schlafplätze bereitstellen“, erklärt Jens Frank, Abteilungsleiter für niedrigschwellige Hilfen. Er dankt der Stadt Husum für die Zurverfügungstellung der Wohnung. Sie ist mit Mobiliar ausgestattet. Neben den Schlafräumen gibt es ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Bad: diese drei Räume sind zur gemeinschaftlichen Nutzung vorgesehen. Das Winternotprogramm wird von der Diakonie Schleswig-Holstein finanziell unterstützt. Wer geschützt untergebracht sein möchte, kann sich unter den Telefon-Nummern 0151 65473320, 0151 299 008 23 oder unter 0151 20086964 melden und alles Weitere besprechen. Die in der Wohnung untergebrachten Menschen werden behutsam betreut von Jens Frank und seiner Mitarbeiterin Miriam Langer. „Wir möchten eine stabile Wohnsituation schaffen. Außerdem weisen wir auf weitere hilfreiche Angebote sowie auf Kontakte zu den entsprechenden Ämtern hin“, so Frank. Denn letztlich geht es darum, dass die Eigeninitiative erhalten bleibt und dass diese Form der Unterbringung weder als Einbahnstraße noch als Endstation empfunden wird, sondern als Chance für einen dauerhaften und soliden Neuanfang.
Die Gründe, um in die Wohnungslosigkeit zu driften, können vielgestaltig sein. „Oftmals handelt es sich dabei um Personen mit psychischen oder mit Sucht-Erkrankungen“, betont Ute Petersen, die Leiterin der Bahnhofsmission. Süchte seien keinesfalls eine persönliche Schuld: „Es sind Erkrankungen“, sagt sie. Einmal wöchentlich unterstützt sie die Menschen, die in den Unterkünften in Winnert und Bredstedt untergebracht sind. Mit dieser als „rollende Hilfen“ bezeichneten, aufsuchenden Arbeit ist sie für viele Betroffene zu einem „Anker im Leben“ geworden. „Auch außerhalb der wöchentlichen Visite bin ich für alle erreichbar“, versichert sie. Nur durch persönlichen Kontakt entstehen Beziehungen, die die Initialzündung sein können, um etwas im Leben zu verändern, vielleicht sogar die „falsche Abbiegung“ auf dem Lebensweg zu erkennen oder neue Perspektiven zuzulassen. „Wichtig ist es auch, Emotionen loszuwerden, oder jemandem, der zuhört, die eigene Lebensgeschichte erzählen zu dürfen“, so Ute Petersen.
Die vom Kreis Nordfriesland finanzierten „rollenden Hilfen“ sind von hoher Bedeutung, denn sie sind das Bindeglied zur Außenwelt und bieten schonend den Einstieg, um selbst aktiv zu werden, das Wagnis einzugehen, das eigene Geschick in die Hand zu nehmen – denn auch hier gilt: Was für den weitaus größten Teil der Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit ist, ist es für diese Menschen nicht. Jens Frank und Ute Petersen loben die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und den Sozialzentren, aber auch die mit den für die Unterbringung zuständigen Ämtern, nämlich das Amt Nordsee-Treene sowie das Amt Mittleres Nordfriesland. Darüber hinaus heben sie die vertrauensvolle Kooperation mit der Einrichtung „WohnEck gGmbH“ hervor, die einen „guten Draht“ zur örtlichen Wohnungswirtschaft hat und obendrein eine gewisse Schutzfunktion für betroffene Menschen bietet. Eines ist Ute Petersen und Jens Frank besonders wichtig – das ganze Jahr über, besonders jedoch dann, wenn in der dunklen Jahreszeit die Lebensbedingungen schwieriger werden: „Wir lassen niemanden mit seinem Schicksal allein.“
