Sonja Wenzel

Mitunter überlegen wir Menschen: Diese oder jene Person kennen wir doch irgendwo her? Doch Gott „muss nicht überlegen. Er kennt unsere Gesichter, unsere Geschichten und unseren Weg – er schaut uns freundlich an und gibt uns seinen Segen – wenn wir diesen fühlen, können wir leben und gut in den Tag gehen“, so die Worte von Pastor Peter Schuchardt. Der Seelsorger leitete den diesjährigen Diakonie-Gottesdienst in der Marienkirche, der unter dem Motto „Du bist ein Gott, der mich sieht“ stand. Dieser alljährliche Gottesdienst ist gute Tradition und gleichzeitig ein Spiegelbild der soliden Zusammenarbeit zwischen der Kirchengemeinde und dem Diakonischen Werk Husum (DW).

Im Zentrum der Veranstaltung stand dieses Mal die Schulsozialarbeit, die im Laufe der Zeit immer wichtiger geworden ist und weiterhin an Bedeutung zulegen  wird. Drei Mitarbeitende in diesem Bereich sprachen über ihre Erfahrungen: Seien es Kinder, die sich nur schwer und über viele Umwege öffnen können, sei es ein völlig neues Lebensumfeld, das als bedrohlich empfunden wird oder sei es das morgendliche Ritual, dem Schulsozialarbeiter „über die Schulter zu schauen“, wenn er die Kinder am Schulportal begrüßt: Es ist stets „Beziehungsarbeit, die nie verurteilt, dafür aber immer nach Lösungen und Wegen sucht“ – oder es ist, wie Pastor Schuchardt es formulierte: „Diakoniearbeit, die die Menschen aufmerksam und mit freundlichem Blick ansieht.“

Seit 16 Jahren gibt es beim DW die Schulsozialarbeit. „Sie startete mit vier Mitarbeitenden für vier Schulen“, erzählte Torben Albrecht, Abteilungsleiter „Schulsozialarbeit“ beim Diakonischen Werk Husum, aus der täglichen Arbeit. Heute seien es 35 Mitarbeitende, die sich um die Schüler und Schülerinnen an 20 Schulstandorten kümmern: „Das bedeutet, dass wir die Schulsozialarbeit unbedingt in unserer Gesellschaft brauchen“, so Albrecht. Es gebe kaum ein Thema, das den Mitarbeitenden nicht begegne – sie werden mit immer neuen Situationen konfrontiert; sie seien die Ersten, die Veränderungen wahrnehmen, den Überblick behalten und „Halt bieten, damit persönliche Entwicklung stattfinden kann“. Auch die Politik sei mittlerweile so weit, dass sie „den Eltern, der Schule und uns“ zuhöre und entsprechend reagiere, so Renate Harrsen, Schulleiterin der Grundschule Bredstedt, Breklum und Bordelum: „Kinder kommen heute mit familiären Belastungen, die komplex und vielschichtig sind. Die Veränderungen durch die digitale Welt sind enorm, auch der Umgang mit Konflikten und die Konzentrationsfähigkeit haben sich gewandelt.“

So kommen viele Kinder mit einem schweren Rucksack voll Probleme – wie sollen so belastete Kinder dabei lernen können? Schulsozialarbeit sucht nach Wegen, wie der Rucksack, bildlich gesprochen, zunächst einmal leergeräumt werden kann, damit Platz zum Lernen ist. Für Torben Albrecht sei „eine Abteilung mit so vielen Mitarbeitenden zwar eine Herausforderung“, doch die positiven Rückmeldungen von Schülern und Schülerinnen, von Eltern, Lehrkräften und den Schulen seien der Antriebsmotor dafür, jeden Tag „neu anzufangen“. Renate Harrsen wünschte sich „noch mehr Schulsozialarbeit und immer ausreichend Personal“. Es sei eine wunderbare Aufgabe, daran mitzuarbeiten, dass Kinder eine schöne Grundschulzeit haben können. Der feste Glaube an Gott trage sie durch ihre Aufgabe: „Das möchte ich an die Kinder weitergeben.“

Durch einen Menschen hindurchsehen, ihn nicht beachten – das tue weh, so Pastor Schuchardt. Doch wenn wir die Menschen sehen, geben wir ihnen Würde, und wer in der Schulsozialarbeit Bedrückungen oder verborgenen Kummer wahrnehmen könne, schaue wach- und achtsam hin: „Eine solche Arbeit tun zu dürfen, ist ein Geschenk Gottes.“ Musikalisch legte sich Pastor Schuchardt an der Gitarre ins Zeug; begleitet wurde er von Pieter Dubbeldam am Kontrabass. Die DW-Mitarbeiter Jens Richard Nehls, Thomas Mainzinger und Martin Pehlmann wurden von Pastor Schuchardt für ihre Arbeit gesegnet.

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