Sonja Wenzel
Viel Arbeit steckt darin: Über drei Jahrzehnte hat sich die Beratungsstelle für Wohnungslose des Diakonischen Werks Husum (DW) stetig und gründlich weiterentwickelt, Expertise angesammelt und sich fortlaufend an gesellschaftliche Veränderungen angepasst. Das Jubiläum dieser Einrichtung wird mit einigen Veranstaltungen gebührend gewürdigt:
Es beginnt mit der beliebten Marktandacht am 8. Oktober um 10:00 Uhr während des Wochenmarktes: Dann wird Wohnungslosigkeit das Kernthema der Andacht sein. Zeitgleich ist auch der Auftakt einer besonderen Ausstellung: Der Bildhauer Harald Birck aus Berlin hat aus Ton drei Köpfe geformt: Die lebendig wirkenden Charakterköpfe von zwei Männern und einer Frau, die das Team der Beratungsstelle für Wohnungslose eine Zeit lang betreut hat. Diese so überdimensionalen wie zerbrechlich wirkenden Kunstwerke werden im Gemeindehaus bei der Sankt Marienkirche ausgestellt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die nachfolgenden Veranstaltungen auf ihre Weise begleiten. Am 23. September ist für geladene Gäste ein Fachtag in Breklum beim Christian Jensen Kolleg geplant. Thema wird die Wohnungslosigkeit in der Region sein. Am 25. September um 16:00 Uhr steht im Gemeindehaus das Buch „Zwei neue Leben“ von Jerome Rieper und Andreas Kolvitz im Mittelpunkt. Es wird weniger eine Lesung als eine Art Autorengespräch sein, bei dem es um die Begegnung eines Immobilienmaklers mit einem wohnungslosen Heroinabhängigen geht: Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander, doch es entstehen dadurch in beider Leben so viele positive Effekte, dass sie zu einer gemeinsamen Lebensgeschichte führen. Voraussichtlich am 11. Oktober um 10:00 Uhr wird der Deutschlandfunk einen Radiogottesdienst aus der Husumer Marienkirche ausstrahlen, bei dem die Birck-Köpfe eine Rolle spielen werden.
Die Beratungsstelle für Wohnungslose – oder kurz: Wohnungslosenhilfe – war ursprünglich nur ein kleiner Teil des Diakonischen Werks Husum. Später zog sie in die Bahnhofsmission um. Es war offensichtlich, dass beide Einrichtungen „miteinander verzahnt“ waren und sind: Menschen mit deckungsgleichen Problemstellungen suchen sie auf. Als verschiedene Arbeitsprojekte im Rahmen der „niedrigschwelligen Hilfen“ ins Leben gerufen wurden, zog sich die „Wohnungslosenhilfe“ wie ein roter Faden hindurch. Heute sind daraus unter anderem die „Betreuung im Obdach“ entstanden sowie die „rollenden Hilfen“, wo die Wohnungsunterbringung in der Fläche in den Fokus rückt. Jens Frank, Abteilungsleiter der „Niedrigschwelligen Hilfen“ sowie Team-Mitglied Miriam Langer sind besorgt über die derzeitige Lage am Wohnungsmarkt: „Es gibt extrem wenig Wohnungen und lange Wartelisten.“ Manche Wohnungen werden touristisch genutzt oder sie seien bestenfalls „Behausungen“, in vielen Fällen sogar völlig inakzeptabel. „Unsere Zielgruppe wird oftmals immer weiter an den Rand gedrängt. Erhalten sie Wohnungen auf dem Lande, ist die Infrastruktur häufig unbefriedigend und es entstehen zusätzliche Kosten, wie beispielsweise Fahrtkosten.“
Text und Foto. Sonja Wenzel

Ein von Harald Birck angefertigter Kopf aus Ton wird flankiert von Miriam Langer und Jens Frank.
