Sonja Wenzel
Seit zehn Jahren leistet die Fachstelle Migration im Diakonischen Werk Husum eine Arbeit, die im Hintergrund läuft und so gut wie nie lautstark auf sich aufmerksam macht; doch sie ist für Menschen, die mit der Hoffnung auf einen Neubeginn in unser Land kommen, bedeutsam und kaum zu ersetzen. Das Jubiläum der Fachstelle wurde kürzlich feierlich begangen. „Ich danke den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden für ein Jahrzehnt Fachwissen und Engagement für jene, die aus Not und Angst den Weg zu uns gefunden und Sehnsucht nach einem Leben in Würde und Frieden haben“, sagte Geschäftsführer Jens Grehm in seiner Ansprache. In einem „Netzwerk des Helfens und der Verantwortung füreinander“ begegnet nach seinen Worten die Fachstelle Migration den Neubürgern und -bürgerinnen „pragmatisch, niedrigschwellig, mit Empathie, Haltung und Respekt“. Sie verbinde das Ehrenamt, die Ämter, den Kreis Nordfriesland, die Stadt und die Gemeinden und weitere unterstützende Stellen miteinander. So zeuge ein vielfältiges ‚Stadtbild‘ von Integration, Teilhabe und gemeinsamer Zukunft, so Grehm.
Für Integration und Teilhabe steht auch Amina aus Kurdistan als ehrenamtliche Sprachmittlerin bei der Fachstelle Migration: Die sympathische 55-Jährige hat in ihrer Heimat Soziologie studiert. Sie hilft Menschen bei der Übersetzung des seltenen Dialektes „Kurdisch-Surami“. Durch ihre ehrenamtliche Arbeit beim „Frauenfrühstück“ kam sie zur Fachstelle Migration. Sie bereitet sich gerade auf ihre B2-Prüfung vor und arbeitet in der Bürgerschule als pädagogische Betreuerin. „Ich kann allen unbedingt dazu raten, sich bei der Fachstelle Migration Unterstützung zu holen“, versicherte sie. Auch Gerhard Boyens gehört zu den Ehrenamtlern. Seit zehn Jahren steht er Menschen zur Seite, die bei Ämtern und Ärzten oder beim Jobcenter allein noch nicht zurechtkommen würden. „Ich habe in diesen zehn Jahren viele gute Erfahrungen gemacht“, sagte er. Dalal el Sarri, die in Deutschland aufgewachsen ist, begleitet Personen, die „kein Wort Deutsch sprechen – bis hin zur Selbstständigkeit“. Vielfach werde sie als Begleiterin gerufen, wenn sich Nachwuchs ankündige und der Weg in den Kreißsaal bevorstehe.
Außerdem freue sie sich sehr, wenn Frauen ihren Führerschein machen und Stück für Stück selbstbewusster und sicherer werden, oder wenn Mädchen ins Studium gehen: „Dann ist die Integration rundherum gelungen“, strahlte sie.
„Die Fachstelle Migration hilft Menschen sich neu zu orientieren, neue Perspektiven aufzubauen und Fuß zu fassen“, sagte Bürgermeister Martin Kindl in seinem Grußwort. Migration sei ein Teil des Alltags. „Sie leisten Großartiges für die Kinder in der Schule, bei der Berufsfindung, bei familiären Problemen, Sie unterstützen die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Bildung und sorgen für die Sicherheit und die Zukunft der Kinder. Sie sind Brückenbauer in einer neuen Umgebung und stehen dafür ein, dass Husum eine lebenswerte Stadt bleibt.“
Auch in der „großen“ Politik fand der zehnjährige Geburtstag Beachtung: MdB Leif Bodin (CDU) gratulierte zu der „Erfolgsgeschichte“. Er dankte dem Diakonischen Werk und den Ehrenamtlichen, die das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen nach Kräften freundlich gestalten: „Oft sind es die Kleinigkeiten, die ein gutes Zusammenleben ausmachen“, meinte er. MdB Truels Reichardt (SPD) empfindet Migration als „unverzichtbar“ und als ein Recht. „Ihre Arbeit macht die Gesellschaft stärker“, schloss er. Christian Grelck, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales beim Kreis Nordfriesland, dankte und gratulierte für eine Dekade voll Begegnungen und Begleitungen. „Sie sind ein Ort der Unterstützung und eine feste Anlaufstelle. Sie leisten Gesellschaftsarbeit und sind mit den Menschen auf Augenhöhe.“ Er stellte in Aussicht, die Integrationshilfen im kommenden Jahr namhaft aufzustocken. Die Integrationsbeauftragte Inken Jessen zitierte ihren Vorgänger Peter Martensen: „Die Fachstelle Migration leistet große Arbeit für die Zivilgesellschaft. Die Mitarbeitenden schauen nicht auf die Uhr und helfen unbürokratisch.“ Ostenfelds Bürgermeisterin und Vorsteherin des Amtes Nordsee-Treene, Eva-Maria Kühl, dankte für zehn Jahre „super Zusammenarbeit“. „Ihr seid helfende, tragende und schützende Hände. Diejenigen, die ihr unterstützt, kommen weiter und fühlen sich wohl“, betonte sie. „Übergänge sind immer problematisch und schwierig. Was Migration heißt, können sich viele von uns nicht vorstellen“, sagte Anouk Corinth-Koltermann vom Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen. Sie wünschte weiterhin Mut, Kraft, Geduld und Zuversicht bei der Arbeit.
Der offizielle Teil der Veranstaltung ging über in einen regen mündlichen Austausch. Für kulinarische Höhepunkte sorgte ein reichhaltiges, orientalisch angehauchtes Buffet, dessen Speisen von arabischen Frauen ehrenamtlich hergestellt worden waren. Die Feier wurde musikalisch umrahmt von Geiger, Komponist und Arrangeur Kristofer Vio.






