Sonja Wenzel

Seit dem Jahre 2015, als Hunderttausende, bedingt durch Schreckensherrschaften und Bürgerkriege in Deutschland Ruhe und Frieden suchten, engagiert sich Ulrike Janssen für Neubürger: „Ich hatte Zeit und wollte mich für eine gute Sache einsetzen“, sagt sie. Die Nordfriesin ist ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Fachstelle Migration des Diakonischen Werks Husum. Erst kürzlich präsentierte sich die Fachstelle auf dem Wochenmarkt anlässlich der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“. Dabei handelt es sich um eine bundesweite Aktionswoche, die seit über 20 Jahren stattfindet. Organisiert wird sie vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE). Das Motto lautet „Engagement macht stark!“ Damit soll ehrenamtliches Engagement gewürdigt und gefördert werden.

„Wir brauchen Personen, die sich in verschiedenen Bereichen einsetzen möchten, um beispielsweise Familien den Neustart zu erleichtern“, sagen Zare Kakoyan und Martina Fröhlich-Mahrenholtz von der Fachstelle Migration. Zare Kakoyan, deren Familie aus Armenien stammt, kann es „nachempfinden, wie es sich anfühlt, in einem Land zu sein, das völlig fremd ist“, wo es keinerlei Ähnlichkeiten mit der Heimat gibt – und das, hätte man Zeit zu reiflicher Überlegung gehabt, eher nicht das Land der ersten Wahl gewesen wäre. Und genau an dieser Stelle setzt die Unterstützung der Ehrenamtlichen ein: „Hilfe wird benötigt bei der Begleitung zu Ärzten und ins Krankenhaus, beim Ausfüllen von amtlichen Anträgen und Formularen oder zur Vorbereitung von Veranstaltungen.“ Der „Türöffner“ zu allen Lebensbereichen ist die Beherrschung der deutschen Sprache; die Zeit, bis ein Sprachkurs endlich angesetzt und durchgeführt wird, kann sinnvoll genutzt werden, indem die Grundzüge der deutschen Sprache bereits „ertastet“ werden können. Auch greifen viele Behörden auf die Unterstützung der Kultur- und Sprachmittler der Fachstelle Migration zurück, die einen wichtigen und sachkundigen Service übernehmen. Ulrike Janssen hat mittlerweile „gute familiäre Kontakte“ geschlossen. „Die Aufgabe macht mir großen Spaß“, lächelt sie.

Freilich müssen die äußeren Gegebenheiten in der Waage sein, wie die allgemeine „Stimmungslage“ in der Gesellschaft sowie die notwendige Ausstattung mit Finanzmitteln. Die Fachstelle Migration leistet immerhin einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige Verständnis: „Sie bringt die Menschen zueinander, die ohne diese Unterstützung in ihren jeweiligen Gemeinschaften bleiben würden. Sie sorgt für Austausch und macht Zusammenhalt möglich“, ist sich Zare Kakoyan sicher. Doch sei in diesem Kontext die Kooperation mit der Volkshochschule, mit dem Kreis Nordfriesland sowie mit weiteren Behörden, darunter die Arbeits-Agentur, solide und vertrauensvoll und beflügele gegenseitiges Verständnis und Eintracht.

Letztendlich steht die Fachstelle Migration vor einer großen Aufgabe: „Es geht um die Zukunft unseres Landes“, betonen Zare Kakoyan und Martina Fröhlich-Mahrenholtz. Denn der Generationswechsel komme immer mehr ins Sichtfeld – und damit verschiedene Probleme: „Junge Menschen sind mit der Tradition und Ansicht ihrer Eltern aufgewachsen, lernen durch das Leben hier aber auch andere Lebensweisen und Meinungen kennen, die sie dann auch leben möchten. Da ist es wichtig, diese Jugendlichen aufzufangen, um dieses gewaltige Potenzial zu nutzen, das diese Generation mitbringt. Hier sollten wir ansetzen zu unterstützen und zu fördern mit menschlicher Kraft und Weitblick.“

Wer Herausforderungen liebt und auf interessante Aufgaben neugierig ist, wer gern mit Menschen umgeht und in einem netten Team mitarbeiten möchte, kann sich an die Fachstelle Migration des Diakonischen Werkes Husum wenden. Sie befindet sich in Husum, Schobüller Straße 10, im 1. Obergeschoss. Sie bietet Beratung und Unterstützung für Geflüchtete und Migranten an. Sie ist telefonisch unter 04841-9811330 erreichbar und per E-Mail unter migration-husum@dw-husum.de.

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