Sonja Wenzel
„Deutsche Sprache – schwere Sprache“ heißt es mitunter scherzhaft; doch sie ist wirklich nicht einfach, wenn man von Kindesbeinen an Tigrinisch, Kurdisch, Ukrainisch oder Arabisch gesprochen hat: Plötzlich gilt es, sich mit einem völlig anderen Alphabet und mit neuen Vokabeln zu befassen, man muss sich in die Sprache hineinhören und sie dann auch noch selbst sprechen. Wer sich da „durchbeißt“ und nicht schamhaft verstummt, wenn es beim Sprechen mal irgendwo „hakt“, verdient Respekt. Die Teilnehmerinnen des Sprachkurses, der in Husum bei der Fachstelle Migration des Diakonischen Werks angeboten wird, sind wissbegierig, konzentriert und zielstrebig: Wann beispielsweise grüßt man auf Deutsch „guten Morgen“ und „guten Abend“ oder wie stellt man sich mit dem vollständigen Namen vor? Freundlich und geduldig hilft dabei Sumea Hasseine: Sie ist Sprach- und Kulturmittlerin – und ihre Aufgabe versieht sie ehrenamtlich.
Eine große Hilfe beim Deutschlernen bieten die Tablets zur Spracherlernung, die der Kreis Nordfriesland finanziert hat: „Wir haben in Husum acht Tablets zur Verfügung, in Tönning sind weitere Geräte in Benutzung“, verrät Zare Kakoyan von der Fachstelle Migration. „Die Teilnehmenden dürfen diese Arbeitsmittel mit nach Hause nehmen und damit für sich privat weiterlernen. Es befinden sich nur Programme darauf, die der Sprachvermittlung dienen. Zur Speicherung von persönlichen Daten jedoch sind die Tablets keinesfalls gedacht“, führt sie weiter aus. Die Tablets können zunächst pro Person für drei Monate ausgeliehen werden – danach werden sie weitergegeben, denn weitere Teilnehmende sollen damit arbeiten können. Diejenigen, die die Vorzüge der Geräte bereits genossen haben, sind dankbar, diese nutzen zu dürfen. Auch Sumea Hasseine sieht bei der Sprachvermittlung nur Vorteile, denn: „Es ist eine große Herausforderung, wenn nicht alle Teilnehmenden die gleiche Sprache sprechen und ich nicht von allen verstanden werde. Dann muss per Tablet die Bedeutung eines Wortes in der jeweiligen Sprache ermittelt werden.“
Sumea Hasseine stammt aus Algerien und ist in ihrem Heimatland in Buchhaltung ausgebildet worden. Seit 2012 ist sie in Deutschland und hat rund fünf Jahre andere Neuankömmlinge betreut. Sie lernte rasch Deutsch und es ergab sich die Chance, Neubürgern und -bürgerinnen auch die deutsche Sprache zu vermitteln. Sie habe großen Spaß an ihrer Arbeit, versichert sie mit strahlendem Lächeln. In verschiedenen Kursen sind in Husum in der Fachstelle Migration momentan 30 Lernende zusammengefasst, davon im Augenblick 22 Frauen und acht Männer. Auch in Tönning, Garding und Friedrichstadt finden Deutschkurse statt. „Wir möchten unbedingt, dass gerade Frauen die Motivation zum Lernen nicht verlieren“, erklärt Zare Kakoyan. Deshalb ist es ausnahmsweise möglich, dass, wenn keine andere Betreuungsmöglichkeit besteht, auch der Nachwuchs zum Unterricht mitgebracht werden darf. Doch besonders freut Zare Kakoyan, dass die Kooperation mit dem Kreis Nordfriesland und der Volkshochschule so „durchlässig“ ist und „richtig gut“ funktioniert.
