Sonja Wenzel
Die Züge an Husums Bahnhof, am Bahnsteig „eins bis drei“, rollen verspätet ein, die Fahrgäste hasten weiter zu Terminen oder Anschluss-Zügen. Doch ein paar, die es nicht so eilig haben, bleiben stehen und lauschen der Andacht von Pröpstin Inken Wöhlbrand und der Musik des Husumer Posaunenchores. Die Bahnhofsmission Husum hat kürzlich ihren „Tag der offenen Tür“ begangen und alle Menschen dazu eingeladen, sich am Bahnsteig mit etwas „Seelenfutter“ aus den Worten der Pröpstin innerlich zu stärken, die Lieder fröhlich mitzusingen und sich darüber hinaus die Räumlichkeiten der in das Diakonische Werk Husum eingebetteten Einrichtung anzuschauen.
„Ohne die viele verschenkte Zeit der Menschen, die ehren- und hauptamtlich bei der Bahnhofsmission arbeiten, gäbe es diese Einrichtung nicht“, resümierte Pröpstin Inken Wöhlbrand. „Gott schenkt uns Kraft und Zeit, und wer davon selbst etwas verschenkt, verschenkt etwas von Gott“, lauteten ihre Worte. Dies sei ein erfüllendes Geben und Nehmen. Denn lebensnotwendig sei auch ein „freundliches Gegenüber“ zum Reden, zum gemeinsamen Lachen oder Weinen. Dort, wo Einsamkeit, Verzweiflung, Trauer und Hilflosigkeit herrschen, entstehe durch die Arbeit der Bahnhofsmission Hoffnung.
Einer der Ehrenamtlichen war Horst Magnussen, der nach Eintritt in den Ruhestand „noch etwas Sinnvolles ohne Bezahlung“ tun wollte. Durch Gespräche mit einem Freund und Kollegen sei er auf die Bahnhofsmission aufmerksam geworden. Die Aufgabe im Bahnsteigdienst erfülle ihn, sagte er. Einer der Höhepunkte seiner Arbeit sei eine Begegnung mit dem Entertainer Otto Waalkes gewesen, der auf dem Weg nach Sylt Station in Husum gemacht habe.
Geschäftsführer Jens Grehm ließ es sich nicht nehmen, die Gäste, die sich am Bahnsteig eingefunden hatten, in die Bahnhofsmission einzuladen. Er und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Stefan Krüger dankten allen, die sich mit der Vorbereitung der Veranstaltung so große Mühe gegeben hatten. Geschäftsbereichsleiterin Adelheit Marcinczyk führte durch den Ablauf des Festes. Es gab die Möglichkeit, einmal selbst in die Rolle der „Hempels“-Verkäuferinnen und Verkäufer zu schlüpfen. Die „Hempels“-Vertriebsleiterin Cara Salto war extra aus der Kieler Zentrale gekommen und stand allen „Neulingen“ beim Verkauf hilfreich zur Seite. Es präsentierte sich auch der Förderverein „Freunde der Bahnhofsmission“, vertreten durch Jens Lösche. Hausführungen, die zu festen Zeiten angeboten wurden, zogen zahlreiche Interessierte an.
Auch zwei Handwerks-Gesellen und eine Gesellin waren per Zufall auf die Veranstaltung gestoßen. Die drei jungen Menschen, Steinmetz, Dachdecker und Malerin in der Denkmalpflege, stammen aus Essen, aus dem Harz und von der Insel Rügen und waren bereits zwischen zwei Monaten und knapp drei Jahren „auf der Walz“. Mit lebhaftem Interesse und in großer Offenheit informierten sie sich und nahmen die Angebote der Bahnhofsmission wahr. Für Verpflegung war gesorgt mit selbstgebackenen Waffeln, Getränken und Wurst vom Grill. Auch der kleine Flohmarkt mit feinen Sachen zog Besucherinnen und Besucher an. Der Erlös aus Spenden und Verkäufen kam der Bahnhofsmission zugute. Emil Asmussen umrahmte die Veranstaltung mit Musik auf dem Schifferklavier, das eine kleine originelle Geschichte hat: Vor dem zweiten Corona-Lockdown hatte er das völlig intakte Instrument auf einem „Flohmarkt um die Ecke“ gefunden und sich das Spielen selbst beigebracht.







