Sonja Wenzel

Altbekannt und traditionell, aber trotzdem immer wieder frisch und aktuell: Seit mehr als 15 Jahren ist die Aschermittwochslesung eine beliebtes „Schmankerl“ im Jahresablauf des Diakonischen Werks Husum. Liebenswürdig und sachkundig wird die Veranstaltung stets moderiert von Professor Dr. Maria-Theresia Leuker-Pelties. Eingeladen zu diesen Kulturabenden sind jene Unterstützer und Unterstützerinnen des DW, die jahrein, jahraus zuverlässig kooperieren und dort helfen und genau hinschauen, wo andere sich schon längst abgewendet haben. DW-Geschäftsführer Jens Grehm dankte – auch im Namen des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Stefan Krüger – allen Unterstützenden, die das Diakonische Werk Husum tatkräftig voranbringen und dafür sorgen, dass die diakonische Arbeit in diesem Maße geschehen kann.

Der Star des Abends war dieses Mal die Bestsellerautorin Mareike Krügel. Sie las aus ihrem Roman „Alle wissen hier alles“, der sich mit Gewalt gegen Frauen und veralteten Rollenbildern befasst. Konkret geht es um das Verhältnis zweier Frauen und ihrer Töchter – ein vielschichtiges, mitunter etwas chaotisches Verhältnis, das einerseits eine gute Zeit verspricht, andererseits nicht ohne Komplikationen ist: sowohl im Innenverhältnis, aber auch bedroht von außen, weil die beiden Frauen, die sich nicht unbedingt an herkömmliche, gesellschaftliche Normen halten, genau beobachtet werden von der Bevölkerung in einem kleinen, sehr speziellen, dörflichen Kosmos, denn: „Alle wissen hier alles, jeder kennt jeden“. Es geht um Traumata in der Vergangenheit beider Frauen, um häusliche Gewalt und den Zwang, bestimmte Erwartungen erfüllen und irgendwie „sein“ zu müssen; es geht auch um spontane Hilfe, die, einmal gewährt, etwas Dauerhaftes und Selbstverständliches annehmen kann, so dass es fast unmöglich wird, „aus der Nummer“ wieder herauszukommen, ohne jemanden hängenzulassen. Es ist ein ernstes Buch, aber: „Es gelingt Ihnen, die Schwere aus verschiedenen Situationen mit Humor herauszunehmen“, so Dr. Maria-Theresia Leuker-Pelties.

Mareike Krügel wurde im Jahre 1977 in Kiel geboren und studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Die Schriftstellerin ist Mitbegründerin des PEN Berlin. Sie erhielt zahlreiche Stipendien sowie mehrere namhafte Literaturpreise. Mit „Alle wissen hier alles“ legt sie ihren sechsten Roman vor. Außerdem entstammen mehrere Kinderbücher und eine – gemeinsam mit ihrem Ehemann Jan Christophersen entstandene – „Gebrauchsanweisung für Schleswig-Holstein“ ihrer Feder. Heute lebt sie mit ihrer Familie an der Ostseeküste. Vor zehn Jahren schrieb sie die Erstfassung von „Alle wissen hier alles“. Doch nicht nur dieser Themenkomplex, dem sie sich darin widmet, „macht etwas mit einem“ – als sie das Manuskript wieder hervorholte, habe sie sich gesagt: „Das kann ich noch besser“ und ließ zehn Jahre Erfahrung als Mutter und Ehefrau einfließen, aber auch die Erkenntnisse aus „Dorfleben und Patriarchat“.

In bewährter Manier hatte der Cateringservice des Christian-Jensen-Kollegs in Breklum ein einfallsreiches, schmackhaftes Buffet gezaubert, das bei vegetarischen Happen zum zwanglosen „Schnack“ einlud – und genügend Chancen zum Kontakteknüpfen und zum Revuepassieren der soeben genossenen Lesung bot.

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