Sonja Wenzel
„Niemand ist ersetzbar. Du hinterlässt eine Lücke. Wir werden die Lücke in Ehren halten und nicht wieder füllen, sondern in unseren Herzen bewahren. Für diese Lücke danken wir dir.“ Denkwürdige Worte fand Roland Linder, Leiter der Beratungsstelle für Suchtfragen anlässlich der kürzlichen Verabschiedung „seiner“ Chefin Susanne Baum in den Ruhestand. Sie hat im Laufe von knapp vier Jahrzehnten einem sensiblen Ressort des Diakonischen Werks Husum ihren Stempel aufgedrückt. Zu ihrem Bereich gehörten das Kinderschutzzentrum Westküste, das Psychologische Beratungszentrum, die Beratungsstelle für Suchtfragen und die „Frühen Hilfen – Familie leben“.
Mit einem feierlichen Gottesdienst in der Versöhnungskirche wurde Susanne Baum entpflichtet und gesegnet. Er wurde von Pastorin Katja Kretschmar und Pröpstin Inken Wöhlbrand zelebriert. Letztere hob in ihrer Predigt auf den Brief des Apostels Jakobus ab, der das Phänomen „Geduld“ – mit der zwangsläufig dazugehörenden „Hoffnung“ – thematisiert, zwei Wesenszüge, die Susanne Baum in reichem Maße zu eigen seien: „Wie der Bauer, der auf den Regen wartet“. Geduld sei rar und auf Zustände anzuwenden, die weder beeinflussbar seien noch mit Fleiß erzwungen werden können. Oft habe Geduld eine harte, bittere Seite, die sich dann zeige, wenn es darum gehe, die Menschen nicht fallenzulassen, auch wenn die dargebotene Hilfe nicht angenommen werde. „Hoffnung zeigt sich im Warten auf Gott, der nun mal keine ‚Wunschmaschine mit Knopfdruck‘ ist. Geduld haben, hoffen und nicht verzagen – dann kann ‚Gelingen‘ geschenkt werden. Gottes Geduld mit uns ist größer als unsere mit ihm.“ Mitmenschen heilen und Frieden geben – das seien Gottes Samenkörner. Das, so die Pröpstin, sei Susanne Baums „Sinn und Erfüllung“ in ihrem gesamten Berufsleben gewesen.
Die Diplom-Psychologin Susanne Baum ist gebürtige Preetzerin und begann ihre berufliche Laufbahn am 26. Februar 1986 beim Diakonischen Werk Husum. „Du hast dein Privatleben dem Dienstgeschehen angepasst und viele neue Themen auf den Weg gebracht, konntest einem Kaufmann komplexe Themen verständlich machen und hattest eine wichtige, ausgleichende Rolle in der Leitungskonferenz“, brachte es der erst kürzlich in den Ruhestand verabschiedete DW-Geschäftsführer Volker Schümann auf den Punkt. Sein Nachfolger Jens Grehm betonte ihr „Empathievermögen und ausbalancierendes Wesen sowie ihren Humor“ und dankte außerdem für ihre Unermüdlichkeit. „Ich habe mich in Ihrer Gesellschaft stets wohlgefühlt“, sagte Daniel Thomsen, Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Bildung beim Kreis Nordfriesland. „Wir haben viele Herausforderungen in vertrauensvoller und herzlicher Atmosphäre gemeistert.“ Fachlich hochkompetent und stets die betroffenen Familien im Visier – das seien Charakteristika der scheidenden Fachbereichsleiterin. Franziska Probst und Peter Stoffers, die das Kinderschutzzentrum Westküste beziehungsweise das Psychologische Beratungszentrum leiten, hoben auf ihre Mütterlichkeit, auf ihre stetige Klarheit und Kritikfähigkeit ab. „Du warst uns ein Vorbild, von dem wir uns viele Scheiben abschneiden können“, so Stoffers.
Susanne Baum wird betriebsam und unternehmungslustig bleiben – so wie es der Sketch der Mitarbeitenden zeigte: Rentner und Rentnerinnen haben keine Zeit für Langeweile, sondern sind aktiv im Lebensgeschehen eingebunden. Sie wird sich unter anderem im Chor und in der Kirchengemeinde Schobüll ehrenamtlich engagieren. Außerdem gründete sie eine „Rentnerrunde“. „Danke für alles“, hieß es schlicht und warmherzig aus ihrem Munde – den Wegbegleitern und -begleiterinnen, unter anderem den Leitenden der DW-Fachbereiche und dem Kreis Nordfriesland für die vielen unkomplizierten Begegnungen, die dazu beigetragen haben, „dass Menschen Trost und Heilung erfahren, den Kopf heben und den Blick weiten können“.
Ihre Nachfolgerin im Amt ist Valeska Greve, die seit wenigen Monaten die Aufgaben übernommen hat. Sie dankte ihrer Vorgängerin und ermutigte ihre Mitarbeitenden, stets genau hinzuschauen und das Erreichte, das Gute zu bewahren. „Das hohe Engagement aller Mitarbeitenden hat nachhaltigen Einfluss auf das Leben.“ Für gediegene Verpflegung sorgte der „Catering Club Husum“. Spontane stehende Ovationen waren Susanne Baum sicher. Wollte man ihre jahrzehntelange Arbeit in einem Satz zusammenfassen, so könnte es Volker Schümann punktgenau getroffen haben: „Ich bin sicher, dass viele Familien dir die Begleitung immer danken werden“, sagte er.














