Sonja Wenzel

Ein unverzichtbarer Anker „mit Herz und Seele“, ein besonnener Verhandlungspartner, Ratgeber und guter Zuhörer wo immer es ging, ein hochgeschätzter Vorgesetzter mit warmem Herzen und offenem Ohr: Der ehemalige Geschäftsführer des Diakonischen Werks, Volker Schümann, wurde unlängst feierlich verabschiedet.

Mit Leben gefüllt habe er stets den Bibelvers „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den der Kraft, Liebe und Besonnenheit“, so Pastor Friedemann Magaard in seinen, den Gottesdienst einleitenden Worten. Pröpstin Inken Wöhlbrand hob ab auf die Bibel, Römer 12,2: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, lasst euch in eurem Denken verändern und innerlich neu ausrichten“ oder: beugt euch nicht einem vorgegebenen Schema, prüft kritisch, was Gottes Wille ist und geht nicht den Weg des geringsten Widerstandes – genau dieses Motto habe Volker Schümann, „ein Mensch der Diakonie, mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand ausgefüllt“, so die Pröpstin. „Auf der Seite der Menschen, die keine Erfolgsgeschichte vorzuweisen haben, weil doch alle gleich viel wert sind – dafür standen Sie und dafür danke ich Ihnen.“ Für das Diakonische Werk Husum sei Schümann, der im Jahre 1993 seinen Dienst aufnahm, „eine Institution“ gewesen, „ein Mensch der Freundlichkeit ausgestrahlt hat, der mit dem Herzen bei der Sache war, der Begleitung angeboten und die Menschen geliebt hat“, so Bischöfin Nora Steen.

„Der unermüdliche Einsatz des scheidenden Geschäftsführers für die Gesellschaft ist tief in die DNA des Diakonischen Werks Husum eingedrungen“, sagte der DW-Aufsichtsratsvorsitzende Professor Dr. Stefan Krüger im Rahmen seiner Laudatio beim anschließenden Empfang. Er habe mitgewirkt bei der Schaffung von Strukturen, sei stets ruhig, strategisch und mit Weitblick vorgegangen; freilich wurde auch die obligatorische, alles begleitende Tasse Kaffee nicht vergessen, auch nicht die Krawatte und der dunkle Anzug als Markenzeichen – deshalb wurde ihm eine von einer Berliner Künstlerin angefertigte Figur überreicht, die alle diese Charakteristika „lebensecht“ auf sich vereint. Sein Nachfolger Jens Grehm zollte dem „Urgestein“ Volker Schümann große Anerkennung für sein Engagement, seine Beständigkeit und Weisheit und seinen Mut. „Sein Führungsstil war geprägt von Respekt und Fairness. Er war ein Vorbild für uns alle.“ Der Geist der Diakonie bleibe unverändert, auch wenn er als Nachfolger seinen eigenen Weg finden wolle. Die in Kürze in den Ruhestand gehende Pröpstin Annegret Wegner-Braun war „froh und dankbar“, dass das Diakonische Werk Husum über Jahrzehnte hinweg in so guten Händen war: ohne Krisen, immer im Dialog. Schümann habe den Begriff von Gerechtigkeit nicht als „mildtätiges Herabbeugen“ interpretiert, sondern als Unterstützung, geprägt vom Gleichheitsgedanken. Landespastor Heiko Naß und Christian Grelck, Sozialdezernent beim Kreis Nordfriesland, äußerten sich ähnlich: „Gebunden im festen Glauben, geleitet von Verstand, Vernunft und Haltung“ und: „Danke für 31 Jahre im Dienste des Gemeinwohls im Landkreis sowie für Klarheit und Verlässlichkeit.“ Viele neue Projekte seien durch sein zusammenführendes Wesen vorangebracht worden. Dem „Garanten zum Wohle der Menschen“ zollte auch Susanne Hermerding, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Husum, große Anerkennung: „Die Chemie stimmte zwischen den Handelnden, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Nachfolger Jens Grehm.“ SPD-Kreistagsabgeordneter und ehemaliger Mitarbeiter des Sozialzentrums der Stadt, Jürgen Laage, dankte für die „gedeihliche“ Kooperation mit den Einrichtungen und Beratungsstellen des Diakonischen Werks Husum, für die Vermeidung von „Kleinkrieg“ und das kluge Nachgeben des Geschäftsführers, wenn es angezeigt gewesen sei. Er sei nie ein „Vielredner“ gewesen, wohl aber ein „famoses Haus mit scharfem Verstand“, so sein Weggefährte auf der Landessynode, Professor Tobias Schulze. Auch der örtliche Leiter der AWO, Ronald Schümann, fand Dankesworte für die hinterlassenen Spuren zum Wohle der Menschen. Er wünschte dem „neuen viel Erfolg bei seiner Tätigkeit.

Für Volker Schümann wurde es dann doch noch emotional, als er Abschluss- und Abschiedsworte fand. Er dankte allen Unterstützern und Unterstützerinnen, dem Aufsichtsrat, auch posthum dem ehemaligen Vorsitzenden Siegfried Schulze-Kölln, den professionell und ehrenamtlich Tätigen, den Kommunen, Schulverbänden, besonders den Ämtern Viöl und Nordsee-Treene, dem Landespastor sowie allen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen: „Der Abschied fällt schwer, aber es war ein gutes Zeichen, euch immer an meiner Seite zu haben. Man kann nicht die Welt retten, aber das nähere Umfeld ein bisschen besser machen.“ Im Diakonischen Werk Südtondern in Niebüll hält Volker Schümann noch ein paar Monate als Geschäftsführer die Stellung, bereitet einen sanften Wechsel an der Spitze vor und begleitet wichtige Prozesse. „Ihre Präsenz tut gut“, so Annegret Wegner-Braun. „Sie geben den Mitarbeitenden Freiraum, delegieren und bleiben hartnäckig, aber dennoch verbindlich, wenn es einmal kontrovers werden sollte.“ Die Veranstaltung wurde musikalisch angenehm und unaufdringlich umrahmt von Gerd Beliaeff an der Posaune und Martin Sanders an der Gitarre. Es gab sogar einen kleinen Sketch, den sich die Bereichsleiterinnen ausgedacht hatten und ein Abschiedslied als Chorgesang der Mitarbeitenden. Stehende Ovationen zwischendurch und schlussendlich: Volker Schümann hatte sie sich redlich verdient.

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