Sonja Wenzel

Mit „mehr Platz“ eröffnen sich weitere Perspektiven für konstruktive, gestalterische und erfinderische Aktivitäten: In der Robert-Koch-Straße Nr. 5 in Husum wurden kürzlich für das Projekt „Sputnik“ neue Werkstatt-, Kreativ- und Büroräume eingeweiht. Seit etwa zwei Jahren läuft in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Husum (DW) dieses  Förderprojekt für Kinder und Jugendliche, deren Leben bereits von Abbrüchen und „Diskontinuitätserfahrungen“ geprägt ist und die der „normale“ schulische Alltag nicht erreicht.

Projektleiter Benjamin Kühnberger ist hoch erfreut über das bessere Platzangebot: „Wir hatten vorher keine eigenen Räume und konnten nicht immer flexibel und spontan auf die Bedürfnisse unserer Teilnehmer reagieren“, sagt er. Jetzt stehen rund 150 Quadratmeter zur Verfügung, in denen eine kleine Nähwerkstatt, Räume für kreative Tätigkeiten wie Basteln oder Malen, Sozialräume und die notwendige Verwaltung untergebracht sind; ferner sind etwa 80 weitere Quadratmeter vorhanden mit einer Werkstatt, in der unter anderem Holz bearbeitet werden kann, und wo sich die jungen Menschen auch musikalisch betätigen können, ohne die Nachbarschaft zu stören. „Darüber hinaus nutzen wir die Sporthalle der Volkshochschule und arbeiten mit unseren Teilnehmern im Rahmen der tiergestützten Pädagogik zwei Mal in der Woche auf einem Hof in Winnert.“ Wichtig ist für das Team aus pädagogisch geschulten Mitarbeitenden, dass die Kinder und Jugendlichen, bei denen die gewöhnlichen Maßnahmen des Schulsystems und der Jugendhilfe nicht den erwarteten Erfolg zeigen, auf jeden Fall weiterhin in ihre Schulen oder in ein Praktikum gehen, so weit dies möglich ist: „Wir legen großen Wert darauf, dass sie hier ihren eigenen Weg erkennen, möglichst auch den Wert eines schulischen Abschlusses sehen“, so Benjamin Kühnberger.

„Der Fortgang dieses Projekts ist mir ein persönliches Anliegen“, betonte Peter Raben, Fachdienstleiter für Familie, Jugend und Bildung beim Kreis Nordfriesland, bei der Einweihungsfeier. Er begleitet das Projekt von Anfang an und betonte die gute Begleitung der jungen Menschen. Auch Schulrat Thomas Nonn lobte die neuen Räume und die damit verbundenen Möglichkeiten. Volker Schümann, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, dankte für die gute Zusammenarbeit mit den Schulen aber auch mit dem Kreis Nordfriesland sowie dessen finanzielle Unterstützung, die die Unterbringung in der Robert-Koch-Straße möglich gemacht hat.

Im Moment sind fünf Teilnehmer zwischen zehn und 15 Jahren im Projekt „Sputnik“ aufgehoben. „Grundsätzlich ist das Projekt offen für Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur neunten Klasse“, erklärte Benjamin Kühnberger. Ein Team aus fünf – zum Teil stundenweise arbeitenden – pädagogischen Mitarbeitenden sowie eine Sonderpädagogin nimmt die jungen Menschen unter die Fittiche. Insgesamt können sieben Teilnehmende betreut werden. Ihre Bedürfnisse sind speziell. Oftmals erfordert dies aus dem Augenblick heraus eine individuelle Betreuung mit viel Fingerspitzengefühl, die jeden vorher festgelegten Plan konterkariert. „Das Projekt ist keine Aufbewahrung“, betont Benjamin Kühnberger. Beispielsweise werden in der Holzwerkstatt sinnvolle Gegenstände hergestellt, wie Werkzeug- oder Nistkästen, im Nähraum entstehen Sitzbezüge oder Schürzen. Für das Schulzentrum in Ohrstedt wurde im vergangenen Jahr ein Holzpferd gebaut, das allen Beteiligten große Freude bereitet hat. „Eine wichtige Aufgabe ist für uns, dass die Teilnehmenden lernen, wie wirkungsvoll sie sein können“, so Diplom-Pädagoge und Teamleiter Christoph Bachmann: „Dass sie ihre basalen Fertigkeiten schulen, Perspektiven bilden, etwas planen und anfertigen können – kurz – dass sie ihre Selbstwirksamkeit erkennen.“

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